Universität Zürich » MAS in Applied History
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Certificate of Advanced Studies in Applied History
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MAS Applied History
Programm Management
Historisches Seminar
Universität Zürich
Culmannstrasse 1
CH-8006 Zürich
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Die Weiterbildungsprogramme in Applied History der Universität Zürich leiten dazu an, über den Tellerrand hinauszublicken. Sie erschliessen in praxisnaher Weise die spezifischen strategischen Potentiale der historischen Methode, die generell für die verschiedensten Berufsfelder von praktischem Nutzen sind: in Politik, Diplomatie, Wirtschaft, Lehre, im Management, im Medien- und im Kulturbetrieb. Das Programm vermittelt ein vertieftes Verständnis aktueller Probleme und Konflikte; es macht mit wesentlichen Aspekten der modernen Geschichtswissenschaft vertraut. Historisches Denken wird als vielfältig einsetzbare, intellektuelle Software vorgeführt.

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Curriculum 2023 - 2025

Curriculum 2024 - 2026

Von der europäischen Expansion zur globalen Gleichzeitigkeit

Das Modul ist breit angelegt und wird „Globalisierung“ sowohl in historischer als auch in gegenwartsbezogener Hinsicht behandeln. Die Globalgeschichte ist kein Forschungsfach mit einer spezifischen Themenstruktur und Terminologie, wie dies zum Beispiel bei der Wirtschaftsgeschichte oder der Sozialgeschichte der Fall ist, sondern lässt sich mit unterschiedlichen Perspektiven der Geschichtswissenschaft und anderer Disziplinen verbinden. Das Modul soll verschiedene methodische Zugänge zum Thema vorstellen und erproben. Dabei ergeben sich die Themen und Zugangsweisen aus der konkreten Forschungsarbeit unserer Gastdozierenden, die mal Fragestellungen von dezidiert globaler Reichweite verfolgen, mal konkrete, aber exemplarische Fälle von Auswirkungen und historischen Folgen globaler Prozesse behandeln.

Das Modul hat verschiedene Teile: Zu Beginn wird es um die neuzeitliche Geschichte des Vorderen Orients im globalen Zusammenhang gehen. Zwei weitere Schwerpunkte werden der Prozess der europäischen Expansion in Asien sowie die Wirtschaftsgeschichte in der Frühen Neuzeit sein. Weiter werden die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen europäischen und ostasiatischen Volkswirtschaften Chinas und Japans in der Frühen Neuzeit diskutiert, oder dann Themen wie Migration und den Transfer von Wissen im transatlantischen Kontext sowie Konzepte der „Kolonialen Schweiz“ und der „Postkolonialen Schweiz“.

Modulkoordinator: Prof. Dr. Sven Trakulhun

Geschichte und Ökonomie: Geschichte der Wirtschafts- und Finanzkrisen

Der Wohlstand einer Nation wird durch langfristig wirkende Faktoren bestimmt, etwa durch die Stabilität der politischen Institutionen, das Bildungssystem, das Handelsregime oder die Innovationstätigkeit. Kurzfristig können aber Wirtschafts- und Finanzkrisen enormen
wirtschaftlichen Schaden anrichten und grosse politische Verwerfungen auslösen, wie wir es in den letzten Jahren gerade wieder erlebt haben. Das Modul strebt eine langfristige Sicht der Dinge an, um die Muster von Wirtschafts- und Finanzkrisen herauszuarbeiten. Erste grösser Bankenzusammenbrüche und Staatsbankrotte beobachten wir bereits im mittelalterlichen Italien, als die internationale Kreditverflechtung dank neuen Finanzinstrumenten ihren Anfang nahm. Wir behandeln die holländische Tulpenmanie im 17.Jahrhundert und die Doppelkrise in London und Paris zu Beginn des 18. Jahrhunderts (South Sea und Mississippi Bubble). Grossen Raum wird die Analyse der Grossen Depression der 1930er Jahren einnehmen, weil sie von grosser historischer Tragweite war und bis heute prägend für das ökonomische Denken ist.

Zum besseren Verständnis der heutigen politischen Situation befassen wir uns ferner mit der grossen Gründerkrise von 1873. Protektionistische Massnahmen, der Aufstieg von radikalen Bewegungen und die Rückbesinnung auf das Nationale sind typische Symptome der Zeit nach der Krise. Grossen Raum wird auch die Beschäftigung mit der Geld- und Währungspolitik einnehmen. Seit 2009 sind die nominalen Zinsen auf einem rekordtiefen Niveau, und es sieht nicht danach aus, als ob bald eine Normalisierung eintreten würde. Auch diese drängenden Gegenwartsfragen lassen sich aus einer wirtschaftshistorischen Perspektive besser verstehen.

Dozentinnen und Dozenten:

  • Daniel Decurtins (Direktorin des Verbands der schweizerischen Gasindustrie)
  • Dr. Annalisa Manera (ETH Zürich)
  • Jacob Bjorheim (Universität Zürich)
  • phil. Markus Diem Meier (Chefredaktor der Handelszeitung)
  • Serge Gaillard (ehem. Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung)
  • Dr. Werner Plumpe (Goethe-Universität Frankfurt a.M.)
  • Prof. Dr. Tobias Straumann (Universität Zürich)

Modulkoordinator: Prof. Dr. Tobias Straumann.

Weltperspektiven: Japan

Die Geschichte Japans im 19. und 20. Jahrhundert ist ein beliebtes Beispiel einer nicht-westlichen Nation, die durch Modernisierung zu einer imperialen Macht aufstieg. Dieser Kurs bietet eine kritische Übersicht dieser Transformation und untersucht die Ursprünge der japanischen Industrialisierung, die Bedeutung Japans komplizierter Beziehungen zum Asiatischen Kontinent sowie das Wesen der japanischen Expansion und der daraus folgenden Kriege. Wir analysieren das (angebliche) Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit sowie die Implikationen der zwei „verlorenen Jahrzehnte“ nach dem Platzen der Wirtschaftsblase der 1980er Jahre. Die Dozierenden folgen der zeitgemässen Praxis, Japan in seinem transnationalen Kontext zu verstehen, anstatt es als einzigartiges Studienobjekt zu repräsentieren, das nur durch Kenntnis spezifischer Kultur und Wertesysteme verstanden werden kann. Wir schenken neuen methodologischen Zugängen wie Umweltgeschichte, Gender History, und History from Below besondere Beachtung.

Modulkoordinator: Prof. Dr. Martin Dusinberre

 

Dozenten: Prof. Dr. Martin Dusinberre

School Rom – Das antike Rom: Hauptstadt eines Weltreichs

Rom, heute die Hauptstadt der Repubblica Italiana, war vor rund zweitausend Jahren das Zentrum eines der grössten Weltreiche der Geschichte. Nach ihren Anfängen als kleine Siedlung am Unterlauf des Tiber entwickelte sich die Stadt zum Ausgangspunkt einer ungeheuren Expansion, die zunächst Italien und dann das gesamte Mittelmeerbecken umfasste, bis Rom unter der Führung seiner Kaiser ein Gebiet beherrschte, das von Britannien bis an den Euphrat und von Rhein und Donau bis an die Sahara und den Ausgang der Roten Meeres reichte. Überall in der Stadt waren die Etappen dieser Entwicklung und Zeichen der Weltherrschaft sichtbar. Dieses Modul wird zu den sichtbaren Überresten der antiken Weltstadt und Kaiserresidenz führen, deren Bedeutung und Interpretation im Zentrum der Veranstaltung stehen werden.

Modulkoordinator: PD Dr. Michael A. Speidel

Demokratie: Historische Veränderungen und Konflikterfahrungen von der Antike bis in die Neuzeit

Im Mittelpunkt des Moduls stehen die historische Entwicklung des Prinzips der gleichen Teilhabe an Staat und Gesellschaft, sowie exemplarische Erfahrungen und Konflikte, die sich mit der Demokratie als Theorie und Praxis zwischen Antike, Neuzeit und Zeitgeschichte verbanden.

Dozenten: Prof. Dr. Jörn Leonhard, Prof. Dr. Claudia Tiersch, Prof. Dr. Bernhard Jussen, Prof. Dr. Ronald Asch

Diktatoren und Diktaturen. Anatomien «totaler» Macht

Dieses Modul untersucht, was die Diktatur im Innersten zusammenhält. Wir fragen, unter welchen historischen Bedingungen totalitäre Regime entstehen konnten, welcher Techniken sich die Machthaber bedienten und weshalb Diktaturen untergingen. Auf die theoretische Auseinandersetzung folgt die Analyse konkreter Fallbeispiele. Dabei werden Machtsysteme ebenso thematisiert wie die Psychologie des Diktators und die Mechanismen, die «Unterdrückte» zu Kollaborateuren machen.

Modulkoordinator: Prof. Dr. Jeronim Perovic

Geschichte und Ökonomie: Unternehmensgeschichte: Konzepte, Wendepunkte, Fallbeispiele

Unternehmen sind, wie die Menschen, im Kern geschichtliche Wesen. Es gibt gewisse, meist im Anfangsstadium der Entwicklung erworbene Eigenschaften, die eine starke Identität verleihen, zugleich aber den Raum des Möglichen begrenzen. Die Macht der Tradition ist so stark, dass Veränderungen immer mit grossen Risiken verbunden sind. Manchmal gelingt es, in der Krise das Steuer herumzureissen und der Organisation einen neuen Schwung zu verleihen, manchmal scheitern Unternehmer und Manager, weil sie kulturelle Fragen vernachlässigen.

So wird auch das historische Verständnis des unternehmerischen Erfolgs dem Gegenstand nur gerecht, wenn neben den Kennzahlen und Marktanalysen auch die Kultur eines Unternehmens und die Gedankenwelt der verantwortlichen Persönlichkeiten berücksichtigt werden. In bestimmten historischen Phasen braucht es Unternehmer und Manager, die mit ruhiger Hand führen und die Tradition pflegen, in anderen Perioden braucht es abenteuerlustige Charaktere, die mit einer disruptiven Agenda den Schutt der Geschichte wegräumen, ohne die Identität des Unternehmens zu zerstören.

Daraus ergeben sich viele historische Fragen. Wie erwirbt ein Unternehmen eine bestimmte Kultur? Welche Spielräume eröffnen sich in Krisen? Welche Faktoren entscheiden über Erfolg und Misserfolg der Unternehmensführung? Anhand von Fallbeispielen und Gesprächen mit prominenten Persönlichkeiten versucht das Modul, die Beziehung zwischen Geschichte, Kultur und Erfolg besser zu verstehen.

Dozenten: Dr. Roman Wild, Prof. Dr. Hartmut Berghoff, Prof. Dr. Alexis Schwarzenbach 

Antike Kulturen im Kontext: Europa, Vorderer Orient und Asien

Das Modul soll einerseits einen Überblick über die alten Kulturen in Europa, Orient und Asien bieten, um die Entstehung von Reichen und ihrer Hinterlassenschaft einordnen zu können. Andererseits werden ausgewählte und prägend gewordene Reichsbildungen im Detail betrachtet, um ihre gesellschaftliche und staatliche Ordnung, aber auch deren wirtschaftliche Grundlagen zu verstehen. Dazu gehören das alte Ägypten, China, Indien, der Vordere Orient (dabei etwa Alt-Babylon unter Hammurapi, Assyrien und das Perserreich der Achaimeniden), Griechenland und das römische Reich.

Dozenten: Prof. Dr. Anne Kolb, Prof. Dr. Christian Marek, PD Dr. Sandra Lippert, Prof. Dr. Wolfgang Behr, Prof. Dr. Ingo Strauch

School Kopenhagen: Die Metropole des Nordens

Wikinger, Hanse, Shakespeare: Skandinavien, das weite Land in Europas Norden

Kopenhagen gilt als „Venedig des Nordens“: über Jahrhunderte hinweg verband die Handelsmetropole am Sund Ost und West sowie Nord und Süd. Sie war Zentrum eines in Mitteleuropa wenig bekannten skandinavischen Imperiums und erlebte als Hanse-Stadt eine grosse Blüte. In jüngerer Zeit hat sich Kopenhagen als Design-, Film- und Kunstmetropole mit internationaler Ausstrahlung profiliert.

Der Norden Europas unterscheidet sich bis heute klar vom Rest des Kontinents. Skandinavien beherbergt reiche und wohlgeordnete Volkswirtschaften, deren „starker“ Staat einen zur Schweiz durchaus alternativen Gesellschaftsentwurf aufweist. Neben effizienter Landwirtschaft und elegantem (Industrie-) Design bieten die nordischen Länder allerdings auch eine ausgesprochen vielseitige Geschichte: Wikinger und Christianisierung, Hanse und absolute Monarchie. Wohin man auch blickt, Kopenhagen und Umgebung zeigen eine eindrückliche Mischung aus Alt und Neu auf, gilt als eine der attraktivsten Hauptstädte Europas und zieht Menschen aus aller Welt an.

Dieser Kurs zeichnet die Geschichte Dänemarks von den Wikingern über die Hanse und Hamlet bis zur Gegenwart nach. Zentrale Stationen neben Kopenhagen sind der Roskilde und Trelleborg sowie das Louisiana Museum of Modern Art und Helsingør, die den langen historischen Bogen von den vergangenen Tagen bis zur Gegenwart spannen.

Koordinator der School: Prof. Dr. Stephan Sander-Faes, Professor für Frühe Neuzeit, University of Bergen

Dozentinnen und Dozenten: 

  • Prof. Dr. Tiffany Stern, Professorin für Shakespeare und frühneuzeitliches Drama am Shakespeare Institute, University of Birmingham
  • Prof. Dr. Carsten Jahnke, Associate Professor für mittelalterliche Geschichte am SAXO-Institute der Universität Kopenhagen
  • Prof. Dr. Anne-Irene Risøy, Professorin für Geschichte und Sozialwissenschaften, University of South-Eastern Norway, Notodden
  • Dr. Aske Laursen Brock, Historiker für globalen sozioökonomischen und kulturellen Wandel in der frühen Neuzeit
  • Prof. Dr. Stephan Michael Schröder, Professor für Nordische Philologie/ Skandinavistik an der Universität zu Köln
  • Prof. Dr. J. Fabricius Møller, Professor am Saxo-Institut der Universität Kopenhagen

Programm_School_Kopenhagen

Massenbewegungen und Revolutionen der Neuzeit

Revolutionen sind zentrale Elemente im historiographischen Narrativ der Neuzeit und der (Post)Moderne. Sie komprimieren radikale, fundamentale Veränderungen in einen kurzen Zeitraum; plötzlich werden Dinge möglich, die kurz vorher noch als unmöglich, ja als undenkbar galten – und sie stehen damit im Gegensatz zum Konzept der „longue durée“ der nur allmählichen strukturellen Transformation von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Religion und Kultur. Revolutionen und Massenbewegungen sind die hochemotionalen Momente der Geschichte; sie sind verbunden mit Hoffnungen, Sehnsüchten und dem Gefühl der Freiheit. Sie nähren den Mythos vom „Volk“, das sich selbst befreit und die Macht ergreift gegen eine ungerechte Tyrannei. Revolutionen führen aber in der Praxis oft zu Enttäuschungen, Frustrationen, Repression und Restauration. Revolutionen „gelingen“ – und sie „scheitern“. Das Modul widmet sich den Revolutionen der Neuzeit und Moderne: Auf eine begriffliche Klärung folgen Seminarblöcke zum Bauernkrieg als (schweizerischer, aber gescheiterter) Revolution, zum Arabischen Frühling, zu den Umwälzungen in Osteuropa 1989 sowie zu den Revolutionen in Kuba, Frankreich (1789), Iran und China. Wegen der Disponibilität der Dozierenden folgt das Programm nicht einer strikten Chronologie. Dieser Umstand erlaubt aber auch ein Vergleich zwischen Revolutionen und Massenbewegungen in unterschiedlichen Epochen und verschiedenen Regionen, die Identifizierung von Gemeinsamkeiten wie auch die Benennung von Eigenheiten und Idiosynkrasien, was die Komplexität und letztliche Unschärfe des Revolutionsbegriff unterstreicht.

Dozenten: Dr. Rolf Tanner, Prof. Dr. Andreas Würgler, Prof. Dr. Martin Sabrow, Dr. Elham Manea, Prof. Dr. Andreas Stucki, Prof. Dr. Thomas Lau, Prof. Dr. Daniel Leese, Dr. Martin Beckstein

Ideen, Ideale und Ideologien. Geschichte der Weltentwürfe

Ideen haben immer wieder die gesellschaftliche Realität geprägt – und umgekehrt. Dass sich Ideale zu Ideologen verfestigen können, aus denen es praktisch kein Entrinnen mehr gibt, ist eine der Evidenzen dafür. Wer die grossen Umwälzungen der Geschichte verstehen will, kommt um deren ideengeschichtlichen Grundlagen nicht herum. In diesem Modul werden die grossen Linien der philosophischen, politischen und gesellschaftlichen Weltentwürfe nachgezeichnet und kontrastiert: von Platons Idealstaat zu Poppers offenen Gesellschaft, vom mittelalterlichen Gottesstaat zur liberalen Demokratie, von den Idealen der Aufklärung zu deren „woken“ Überspitzungen, von den Grundlagen der Moderne bis zur Kritik der Globalisierung.

 

Dozenten: Dr. Katja Gentinetta

Geschichte und Ökonomie: Der Aufstieg Europas und die „grosse Divergenz“

Die heutige Weltwirtschaft ist nach wie vor durch grosse Wohlstandsunterschiede gekennzeichnet. In den afrikanischen Ländern südlich der Sahara schwankt das Einkommen pro Kopf zwischen 500 und 4000 Dollar, in reichen Ländern wie Deutschland und der Schweiz beträgt es im Durchschnitt rund 50’000 Dollar. Diese frappanten Unterschiede lassen sich nur erklären, wenn man die langfristigen Entwicklungen versteht. Das Modul behandelt deshalb die Frage, warum die industrielle Revolution in Europa ihren Ausgang nahm und wie die „grosse Divergenz“ entstand.

Dozenten: Prof. Dr. Tobias Straumann, Prof. Dr. Ewout Frankema, Prof. Dr. Jürg Helbling, Prof. Dr. Patrick Ziltener

Urbanisierung: Von der antiken Stadt zur Megacity

„Urban“ ist kein Begriff, der sich zur Kategorienbildung in der historischen Forschung eignet. Vielmehr scheint der Begriff zu einem Plastik-Wort verkommen zu sein, um Immobilienbeschreibungen preissteigernd aufzufrischen oder Kleiderkollektionen einen Touch von Weltläufigkeit zu vermitteln. Dagegen ist „Urbanisierung“ ein wissenschaftliches heuristisches Konzept, mit dem sich vor allem längerfristige Entwicklungen in Gesellschaften untersuchen lassen.

Da sich dieses spannende Konzept nicht allein historisch betrachten lässt, soll durch eine bewusste Methoden- und Referentenvielfalt ein Einblick in die unterschiedlichen Anwendungsbereiche des Urbanisierungsbegriffs gegeben werden. Die dabei zu erarbeiteten Themen sind entsprechend vielfältig. Es werden Strukturen der Stadt in der Antike und im Mittelalter analysiert, die Reaktionen von Städten auf Katastrophen in der Neuzeit nachgezeichnet und die Triebkräfte der Stadtentwicklung vom frühen Städtewesen zur Metropolitanregion aufgezeigt. Auch aktuelle Themen wie „Unordnung und Ordnung“ in modernen Metropolen (Stichwort „Slum“) und oder Fragen nach dem Lebensraum Stadt, ihre Topographien, die Architektur, die Gegensätze von Arbeitervierteln und Wolkenkratzern, Stadt- und Landflucht sollen problematisiert werden. Zudem sollen gezielte Schlaglichter auf die so genannten „Megacities“ und vor allem die Beziehungen zwischen Urbanem Raum und der Umwelt geworfen werden, immer mit dem Anspruch, die aktuellen und zukünftigen Probleme auf dem Hintergrund ihrer Geschichte und der Stadtentwicklungen im Allgemeinen besser zu verstehen. Der Ausblick auf die Triebkräfte der Stadtentwicklung und den „urban sprawl“ wird vor Augen führen, wie sehr die Geschichtsforschung sich vom Konzept der „Stadt“ lösen muss, um gesellschaftliche Phänomene des Nutzens, Wohnens und Bauens einordnen zu können.

Dozenten: Prof. Dr. Gerald Schwedler, PD Dr. Armand Baeriswyl, Prof. Dr. Benedikt Boucsein, Prof. Dr. Arndt Brendecke, Dr. Martin Illi, Prof. Dr. Daniel Kübler, Univ. lic. Phil. Martin Leonhard, Prof. Dr. Dieter Schott, Hanna Schlösser, Prof. Dr. Jörg Schwarz, Prof. Dr. Felix Thürlemann, Dipl. Architekt Michael Wagner, PD Dr. Marc Winter

Geschichte und Ökonomie: Geschichte des ökonomischen Denkens

Die Wirtschaftsgeschichte wird nicht nur von materiellen Interessen und Kräften getrieben, sondern auch von Ideen und Weltbildern. Der britische Ökonom John Maynard Keynes schrieb gar in seinem Hauptwerk: Die Gedanken der Ökonomen und Staatsphilosophen sind einflussreicher, als gemeinhin angenommen wird, sowohl wenn sie im Recht, als auch im Unrecht sind. In Wirklichkeit wird die Welt durch wenig anderes beherrscht als durch sie. Für ein Verständnis der Gegenwart ist deshalb die Kenntnis der wichtigsten ökonomischen Lehrmeinungen unerlässlich.

Modulkoordinatorin: PD Dr. Andrea Franc

Grosse Geschichtsschreibung: Von Herodot bis heute

Die Geschichtsschreibung aus vergangenen Epochen liefert uns heute das massgebliche Gerüst für die Rekonstruktion historischer Vorgänge, Zustände und Gestalten. Die grossen Geschichtswerke bilden jedoch nicht nur die Grundlage des wissenschaftlichen Arbeitens, sondern widerspiegeln auch die politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten, welche die Autoren geprägt haben. Dadurch eröffnen sie ganz unterschiedliche Perspektiven auf vergangene Ereignisse, die es zu diskutieren, abzuwägen und zu bewerten gilt. Das Modul schlägt den Bogen von der Antike bis in die Neuzeit, führt in die Werke der wichtigsten Historikerinnen und Historiker ein und zeichnet die Entwicklung der wissenschaftlichen Disziplin im Kontext der allgemeinen Geschichte nach. Indem wir uns mit den bedeutendsten Werken seit Herodot und Thukydides auseinandersetzen und dabei bis in den Nationalsozialismus sowie die Zeit- und Wirtschaftsgeschichte vordringen, machen wir uns vertraut mit den zentralen Methoden, Theorien und Typen der Geschichtsschreibung.

Koordination: Prof. Dr. Anne Kolb

Dozenten: Prof. Dr. Felix Maier, Prof. Dr. Sebastian Scholz, PD Dr. Stefano Saracino, Prof. Dr. em. Raphael Lutz, Prof. Dr. Magnus Brechtken, Prof. Dr. Tobias Straumann

Geschichte und Ökonomie: Arbeit, Wissen und Technologie

Der rasante technologische Umbruch der letzten Jahrzehnte hat unsere Arbeitswelt grundlegend verändert. An die Stelle der traditionellen Industriegesellschaft ist eine Dienstleistungsökonomie getreten, welche Ausbildung und Wissen höher wertet denn je. Das Modul fragt nach den historischen Bedingungen des grossen Paradigmenwechsels der Gegenwart, untersucht die sich wandelnden Vorstellungen von Arbeit in früheren Perioden und beleuchtet die Herausforderungen der Arbeitsmarktpolitik im gegenwärtigen Zeitalter der multiplen Krisen. Dabei wird sichtbar, wie dynamisch das Verhältnis von Arbeit, Wissen und Technologie geworden ist.

Modulkoordinator: Prof. Dr. Tobias Straumann

Dozenten: Dr. Brigitta Bernet, Dr. Franca Burkhardt, Prof. Dr. Gudela Grote, Prof. Dr. Lutz Raphael, Dr. Bettina Schöller, Dr. Michael Siegenthaler, Prof. Dr. Victor Walser

Weltperspektiven: Russland

Russland ist als Grossmacht für Europa und die Welt von Bedeutung. Dieses Modul bietet einen umfassenden Überblick über politische, wirtschaftliche und gesellschaftlich-kulturelle Aspekte der russischen Geschichte. Es zeichnet den historischen Entwicklungsweg vom Imperium der Zaren über die nukleare Supermacht Sowjetunion bis hin zum heutigen Russland unter Vladimir Putin nach. Ziel ist es, über die Aneignung von geschichtlichem Grundwissen ein besseres Verständnis für gegenwärtige Entwicklungen zu erlangen.

Dozenten: Prof. Dr. Jeronim Perović (Universität Zürich), Prof. Dr. Klaus Gestwa (Universität Tübingen), Prof. Dr. Michael Rochlitz (Universität Bremen), PD Dr. Peter Collmer (Universität Zürich), Prof. Dr. Pavel Kolář (Universität Konstanz), Prof. Dr. Guido Hausmann (Universität Regensburg), Prof. Dr. Ulrich Schmid (Universität St. Gallen), Dr. Regina Elsner (ZOiS Berlin)

Koordinatoren: Prof. Dr. Jeronim Perović und PD Dr. Peter Collmer

Geschichte und Ökonomie: Geschichte des Welthandels – von der Antike zur WTO

Jahrtausende alt, global seit 500 Jahren, hat der Welthandel vielerorts Wohlstand geschaffen, aber auch Einkommensverhältnisse und Gesellschaftsstrukturen fundamental verändert. Imperien und grosse Staaten haben deshalb immer wieder versucht, den Aussenhandel in ihrem Sinn zu gestalten, sind aber mit dieser Strategie meist gescheitert. In den letzten zweihundert Jahren hat zudem das Ideal des Freihandels an Unterstützung gewonnen, was die Durchsetzung von international verbindlichen Handelsregeln erleichtert hat. Das Modul zeichnet die wechselvolle Geschichte des Welthandels und der Handelspolitik von der Antike bis zur Gegenwart nach und fragt nach den Gründen, warum die Handelsströme immer wieder abrupte Veränderungen erfuhren, die mit einem dramatischen Aufstieg oder Abstieg von ganzen Weltregionen verbunden wäre.

Koordination: Prof. Dr. Patrick Ziltener

Dozenten: Prof. Dr. Manfred Elsig, Prof. Dr. Thomas Ertl, PD Dr. Andrea Franc, Prof. Dr. Raimund Schulz, Prof. Dr. Friedrich Edelmayer

Aufstieg und Fall der Reiche – Universalhistorische Konzepte

Grossreiche üben auch heute noch eine besondere Faszination aus, welche oft zwischen Respekt, Abscheu und heimlicher Bewunderung schwankt. Das Modul untersucht anhand einer Reihe von Fallbeispielen, wie Imperien entstanden, wie sie ihren Aufstieg bewerkstelligten, wie sie auf ihrem Höhepunkt organisiert waren und auf ihre Umgebung ausstrahlten, und was schliesslich zu ihrer Auflösung führte. Viele dieser Grossreiche wirken über ihr formelles Ende hinaus, sowohl bezüglich Legitimitätsstiftung wie auch Strukturbildung. Das Modul analysiert schliesslich aus einer Gesamtperspektive, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede Imperien auszeichnet und wie sich diese Faktoren über die Zeitachse entwickelt haben, bis hin zu aktuellen Ereignissen.

Koordination: Dr. Rolf Tanner

Dozenten: Prof. Dr. Herfried Münkler, Prof. Dr. Michael Hochgeschwender, Prof. Dr. Fritjof Benjamin Schenk, Prof. Dr. Daniel Leese, Prof. Dr. Harald-Fischer-Tiné, Prof. Dr. Maurus Reinkowski

School Brüssel: Macht und Ohnmacht der EU-Hauptstadt

Die EU-Hauptstadt Brüssel bedeutet für die einen die grosse Verheissung, für die anderen ist sie ein Symbol einer fehlgeleiteten Entwicklung. Die Reise wird das ganze Spektrum der Tatsachen und Meinungen ausloten und im Gespräch mit Intellektuellen, Parlamentariern und Journalistinnen der Frage nachgehen, wie die EU wirklich funktioniert und welche Macht Brüssel tatsächlich hat.

Koordinator der School: Prof. Dr. Tobias Straumann

Dozentinnen und Dozenten: Michael Ambühl, Nora Meier, Karel Lannoo, Theo Timmermans, Oliver Zimmer, Caroline de Gruyter, Tilman Hengevoss, Pieter Cleppe

Programm_School_Bruessel

Die Entstehung des Neuen. Über Paradigmenwechsel und kleinere Innovationen

Für Paradigmenwechsel – erstrangige wissenschaftliche und technologische Um- und Durchbrüche – bedarf es einzelner «Grosser» wie Galilei oder Einstein ebenso wie bestimmter Umstände. Genies lassen sich nicht beliebig aktiveren, sehr wohl aber Bedingungen schaffen, unter denen die Kleineren, die ihnen vorarbeiten, schaffen und denken können.

Wie solche «Möglichkeitsräume» beschaffen sein könnten, darüber kann der historische Vergleich Aufschlüsse vermitteln. Ebendies möchte das Modul leisten: An einigen spektakulären Beispielen (Kopernikanische Wende, Buchdruck, Wissenschaftliche Revolution, Industrialisierung, Entstehung des Internet) wollen wir darüber Aufschluss zu gewinnen versuchen. Blicke auf Bildende Kunst und Musik – hier wird Stilwandel thematisiert werden – sollen «mikroskopische» Einblicke in kreative Prozesse ermöglichen und Vergleiche mit Kreativität in Wissenschaft und Technik ermöglichen. Parallelen zu erfolgreichem Unternehmertum, seine Kunst der «schöpferischen Zerstörung», sind naheliegend und werden ebenfalls unternommen. Zudem werden wir einen Seitenblick auf die «Psychologie des Genies» werfen und fragen, in welcher Weise «Bedingungen» für das, was sie an Neuem erfanden, bedeutsam wurden. Ein einleitendes Referat dient der Klärung zentraler Begriffe und Konzepte. Am Ende könnten Antworten auf eine Frage von unbestreitbarer Relevanz stehen: Wie organisiert man Kreativität?

Koordination: Prof. Dr. Tobias Straumann

Die Schweiz in Europa: Alte Erzählungen und neue Forschungen

Wer sich mit der Geschichte der Schweiz befasst, darf sich nicht damit begnügen, die wissen- schaftlichen Erkenntnisse den historischen Mythen gegenüberzustellen, sondern muss beides kennen: die alten Erzählungen und die neuen Forschungen. Denn die alten Geschichten sind nach wie vor wirkungsmächtig, und die neuen Forschungen sind nur auf dem Hintergrund der alten Erzählungen verständlich. Überblicksvorlesungen zu den grossen Themen der Schweizer Geschichte und den grossen Schweizer Erzählungen werden kombiniert mit Exkursionen, die einen direkten Einblick in neue Forschungsprojekte gewähren.

Koordination: Prof. Dr. Tobias Straumann

Einführungs- und Theoriemodul (für beide Studiengänge)

Das Modul bietet eine grundlegende Einführung in das Handwerk der Geschichtswissenschaft. Die Teilnehmenden sollen in konzentrierter Form mit Techniken der fachwissenschaftlichen Literaturrecherche, Quellenerschliessung und -interpretation vertraut gemacht werden.

Dozenten: lic. phil. Walter Bersorger, Dr. Jacob Bjorheim, Dr. Julian Führer, Dr. Karin Huser, Prof. Dr. Anne Kolb, Dr. Bettina Schöller, Dr. Thomas Zaugg

Koordination: Walter Bersorger, Tobias Straumann

Das europäische Staatensystem und sein Werden

Das europäischen Staatensystem und sein Werden, Die antiken Grundlagen – Die griechische Polis und das Imperium Romanum. Mittelalter – Intensivierung und Verräumlichung von Herrschaft. Das frühneuzeitliche Europa. Staatstheorie – Machiavelli, Bodin, Hobbes. Europa im 19. / 20. Jahrhundert.

Koordination: Prof. Dr. Anne Kolb

Geschichte und Ökonomie: Rohstoffe und der Wohlstand der Nationen

Rohstoffe bilden die Grundlage jeder wirtschaftlichen Tätigkeit. Ihre Nutzung entscheidet darüber, wieviel die Menschen zu essen haben, wieviel Energie ihnen zur Verfügung steht und welche Produkte sie herstellen können. Das Modul behandelt die wichtigsten Etappen der Rohstoffgeschichte von der Neolithischen Revolution bis zur Gegenwart und untersucht die Wechselbeziehungen zwischen Ressourcennutzung, Geopolitik und Klimawandel. Schliesslich soll auch folgende Frage auf dem Hintergrund der Geschichte diskutiert werden: Stehen wir tatsächlich am Ende des fossilen Zeitalters?

Koordination: Prof. Dr. Tobias Straumann, Dr. Roman Wild, Dr. Jonas Rüegg, em. Prof. Dr. Peer Vries, Dr. Helmut Stalder, em. Prof. Dr. Reinhold Reith, Dr. Monika Gisler

School Kleinasien: Asia Minor – Wiege europäischer Kultur

Die Reise führt entlang den West- und Südküsten Kleinasiens, wo vor zweieinhalb Jahrtausenden die Anfänge griechischer Dichtung, Philosophie und Wissenschaft aufblühten. Den Griechen benachbarte Völker wie Lyder, Karer und Lykier trugen zum Austausch der Kulturen bei. Über das Land herrschten Perser, Makedonen, schliesslich errichteten die Römer hier einige ihrer grössten und reichsten Provinzen, die auch Schauplatz der frühesten christlichen Mission sind. Aus diesen Epochen haben sich spektakuläre Überreste erhalten: Tempel, Theater, Brunnenhäuser, Bäder, Marktplätze und gepflasterte Prachtstrassen.  Ausgrabungen mit aktuellen Funden sind noch im Gang.

Dozent: Prof. Dr. Christian Marek

Koordination: Prof. Dr. Christian Marek

Programm_School_Kleinasien

Konfliktlagen, Identitätsdiskurse und Transformationen von Religion

Religion bleibt ein umstrittenes Thema. Zum einen wird behauptet, sie sei wegen der Säkularisierung am Verschwinden, zum anderen ist die Rede von einer Renaissance der Spiritualität. Kontrovers diskutiert wird auch, welche Rolle Regionen im Kontext von Gewalt und Nationalismus sowie bei Fragen der Ethik und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt spielen.

Das Modul verknüpft kulturwissenschaftliche und globalhistorische Zugänge mit dem Ziel, die Vielfalt der Religion in Geschichte und Gegenwart besser zu verstehen. Dazu startet der erste Block (15./16. September) mit konzeptionellen Überlegungen zum Begriff „Religion“ und präsentiert Fallstudien, die primär auf die Schweiz und Deutschland fokussieren. Der zweite Block (22./23. September) wirft den Blick auf andere Teile der Welt («Islamische Welt/Ägypten, Afrika/Mali, Israel/Palästina und Südasien/Indien) und schliesst das Modul mit einer zusammenfassenden Gesamtschau ab.

Koordination: Prof. Dr. Johannes Quack

Dozenten: Prof. Dr. Jens Schlieter, Prof. Dr. Jörg Stolz, Prof. Dr. Irene Becci, Prof. Dr. Anna Neumaier, Prof. Dr. Gudrun Krämer, Prof. Dr. Dorothea Schulz, Dr. Jens Kugele

Geschichte und Ökonomie: Aktuelle Probleme der Schweizer Wirtschaftspolitik

Der Wirtschaftsstandort Schweiz sieht sich gegenwärtig mit einer ganzen Reihe von Herausforderungen konfrontiert. Die Coronapandemie erforderte hohe Ausgaben vom Staat und liess die Staatsverschuldung sprunghaft ansteigen. Der Krieg in der Ukraine stellt die Energiemärkte auf den Kopf und zwingt die Schweiz zum raschen Handeln, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Steigende Energiepreise und Nachholbedarf nach der Pandemie lösten die Inflation aus, die lange Jahre totgeglaubt war. Der rasche Anstieg der Inflation brachte die Zinswende, die die Gefahr einer Rezession birgt und auf dem Immobilienmarkt für Unsicherheit sorgt. Schliesslich besiegelte eine Bankenkrise den Niedergang der Credit Suisse und sorgte für die zweite Rettung einer Grossbank durch den Bund. Hinzu kommen lange ungelöste Probleme wie die finanzielle Konsolidierung des Sozialsystems, oder der Fachkräftemangel, der sich nach der coronabedingten Entspannung drastisch zuspitzt. Wie immer in Krisenzeiten wird der Ruf nach Staatseingriffen laut – in der Hoffnung, damit alle Herausforderungen meistern zu können. Im Modul greifen die Referenten die drängendsten Fragen der Gegenwart auf und ordnen die Probleme aus einer historischen Perspektive ein.

Koordination: Dr. Thomas Studer, Prof. Dr. Christoph Schaltegger

Dozenten: Prof. Dr. Christoph A. Schaltegger, Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Bruno Frey, Prof. em. Dr. Urs Birchler, Prof. Dr. Peter Ziltener, Prof. Dr. Rudolf Minsch, Dr. Daniel Lampart, Dr. Alexandra Janssen, Dr. Adriel Jost, Dr. Christian Frey, Dr. Fabian Schnell, Dr. Martin Mosler, Dr. Melanie Häner, Jackie Bauer

Weltperspektiven: China

China ist eine der Ursprungsquellen menschlicher Zivilisation, vieles ist originär und unabhängig von der westlichen Zivilisation entstanden. Dennoch ist China ‹nicht ganz anders› (Holenstein 2009), China hat auch eine grosse Bandbreite von Denk- und Handlungsoptionen, und viele Herausforderungen und Probleme wurden gleich oder ähnlich beantwortet und ggf. gelöst. Dieses Modul konzentriert sich auf das chinesische Denken in Bezug auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Wie ist wirtschaftlicher Wohlstand und gesellschaftliche Harmonie möglich? Wie werden gerechte Herrschaft, politische Legitimität, Generationen- und Geschlechterrollen gedacht? Und wie denkt China in Bezug auf die Gestaltung der Zukunft und die Veränderung der Welt?

Koordination: Prof. Dr. Patrick Ziltener, Prof. Dr. Marc Winter, Prof. Dr. Ralph Weber, PD Dr. Simona Grano

Weltperspektiven: Naher Osten

Der Nahe Osten ist eine, ja vermutlich sogar die geopolitische Umbruchzone der Weltpolitik. Das Modul „Geschichte und Politik des Nahen Ostens“ greift die Frage nach den aktuellen Entwicklungen von der Arabellion bis zum syrischen Bürgerkrieg auf, aber ergründet auch die Frage, wie das moderne Staatensystem des Nahen Ostens sich als „Wirkungsgefüge“ im 20. Jahrhundert herausgebildet hat. Das Ziel ist die politischen Verflechtungsstrukturen und historischen Entwicklungspfade der verschiedenen Konflikte des Nahen Ostens analytisch zusammen zu führen.

Koordination: Prof. Dr. Maurus Reinkowski, Dr. Alp Yenen

Die Sprache der Kunst. Was Bilder, Bauten und Figuren erzählen

Kunstwerke sind nicht nur schön, sie sind immer auch Zeugen ihrer Zeit. Sie sagen etwas aus über Denkweisen, Marktverhältnisse, soziale und politische Umstände. Kunstwerke berichten vom Glauben der Menschen und von ihren Sehnsüchten. Sie geben Hinweise auf untergegangene Lebenswelten, führen Methoden der Herrschaft und Disziplinierung vor und zeigen Strategien der Erinnerung. Besprochen werden Beispiele aller Kunstgattungen.

 

Koordination: Prof. Dr. Bernd Roeck
Dozenten: Prof. Dr. Stanislaus von Moos, Prof. Dr. Sergiusz Michalski, Prof. Dr. Bernard Aikema, Dr. Christoph Emmendörfer, PD Dr. Jens Wietschork

Curriculum 2023 - 2025

School Afrika: Senegal – Entdeckungsreise in Afrikas Zukunft

Senegal hat eine lange demokratische Tradition und ist bekannt für seine ethnische und kulturelle Vielfalt. Die Mehrheit der Bevölkerung praktiziert einen gemässigten Sufi-Islam, der stark mit lokalen Traditionen verwoben ist. Gleichzeitig haben der transatlantische Sklavenhandel und die Kolonialzeit ihre Spuren hinterlassen, und das Land steht vor grossen Herausforderungen. Wie gelingt es Senegal mit seiner wachsenden Bevölkerung und sehr vielen arbeitsfähigen jungen Menschen Wachstum und Wohlstand zu generieren? Wie bereitet es sich auf seine Zukunft vor? Was können andere afrikanische Länder von Senegal lernen? Antworten auf diese und andere Fragen wollen wir vor Ort entdecken.

Koordination: Dr. Martin Dahinden und Dr. med. Hans Groth

Sprache der Kunst: Kunstwerke über ihre Zeit

Kunstwerke sind nicht nur schön, sie sind immer auch Zeugen ihrer Zeit. Sie sagen etwas aus über Denkweisen, Marktverhältnisse, soziale und politische Umstände. Kunstwerke berichten vom Glauben der Menschen und von ihren Sehnsüchten. Sie geben Hinweise auf untergegangene Lebenswelten, führen Methoden der Herrschaft und Disziplinierung vor und zeigen Strategien der Erinnerung. Besprochen werden Beispiele aller Kunstgattungen.

Koordination: Prof. Dr. Bernd Roeck
Dozenten: Prof. Dr. Bernard Aikema, Prof. Dr. Stanislaus von Moos, Dr. Christoph Emmendörfer, PD Dr. Jens Wietschork

Geschichte und Ökonomie: Geschichte des Welthandels – von der Antike bis zur WTO

Jahrtausende alt, global seit 500 Jahren, hat der Welthandel vielerorts Wohlstand geschaffen, aber auch Einkommensverhältnisse und Gesellschaftsstrukturen fundamental verändert. Imperien und grosse Staaten haben deshalb immer wieder versucht, den Aussenhandel in ihrem Sinn zu gestalten, sind aber mit dieser Strategie meist gescheitert. In den letzten zweihundert Jahren hat zudem das Ideal des Freihandels an Unterstützung gewonnen, was die Durchsetzung von international verbindlichen Handelsregeln erleichtert hat. Das Modul zeichnet die wechselvolle Geschichte des Welthandels und der Handelspolitik von der Antike bis zur Gegenwart nach und fragt nach den Gründen, warum die Handelsströme immer wieder abrupte Veränderungen erfuhren, die mit einem dramatischen Aufstieg oder Abstieg von ganzen Weltregionen verbunden wäre.

Koordination: Prof. Dr. Patrick Ziltener

Dozenten: Prof. Dr. Manfred Elsig, Prof. Dr. Thomas Ertl, PD Dr. Andrea Franc, Prof. Dr. Raimund Schulz, Prof. Dr. Friedrich Edelmayer

Von Lumière bis Netflix: Filmgeschichte und die Macht der bewegten Bilder

Kein Medium prägt unsere Wahrnehmung der Realität und der Geschichte so stark wie der Film. Wer etwa an Kleopatra oder Cäsar denkt, erinnert sich automatisch an Szenen aus einem «Sandalenfilm». Dabei sind Filme immer gestaltete künstlerische Werke, die anders als etwa empirische Forschung nicht der historischen Wahrheit verpflichtet sind. Anders als die meisten anderen Kunstformen sind Filme zudem kommerzielle Produkte, deren Herstellung einem schnellen technologischen Wandel unterliegt. Das Modul zeigt, wie sich der Film in den letzten hundert Jahren stetig verändert und neu erfunden hat, kulturelle Strömungen aufnimmt und prägt und schliesslich zum Leitmedium der Gegenwart geworden ist. Historische Tiefenbohrungen werden kombiniert mit Gesprächen mit zeitgenössischen Regisseuren und Drehbuchautorinnen.

Koordinator: PD Dr. Simon Spiegel

Weltperspektiven: Indien

Das Modul «Indien» bereichert das Programm «Weltperspektiven» um eine ebenso kulturell faszinierende, wie politisch und ökonomisch bedeutsame Grossregion. Die acht Vorlesungen widmen sich den zentralen historischen Entwicklungen auf dem indischen Subkontinent seit Beginn der frühen Neuzeit; der Schwerpunkt liegt jedoch auf dem 19. und 20. Jahrhundert. Das Modul beinhaltet zwei unterschiedliche Vorlesungstypen. Die Sitzungen 1-3 bieten jeweils einen holzschnittartigen Überblick über die wichtigsten politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Transformationen in der vorkolonialen, kolonialen und postkolonialen Epoche. Nach diesem chronologischen Schelldurchlauf fokussieren die Vorlesungen 4-8 auf einzelne Themen, die in der Vergangenheit besonders intensive historiographische Debatten ausgelöst haben. Eine eingehende historische Analyse von bis heute virulenten sozialen Problemen, wie der ‘Frauenfrage’ oder den Auswirkungen des Kastensystems gehören ebenso zu dieser Kategorie wie eine Untersuchung des konfliktgeladenen Zusammenspiels von Religion und Politik auf dem Subkontinent. Auch ökonomische Aspekte werden beleuchtet. Die Industrialisierung Indiens und die Wirtschaftsliberalisierung der letzten drei Jahrzehnte werden dabei in einer eigenen Vorlesung im Zusammenhang mit ihren sozialen Folgen betrachtet. Die Reihe endet mit einer Vorlesung zur Geschichte des indischen Kinos, dem man nachsagt, es funktioniere gleichsam als Seismograph, an dem sich die Verwerfungen gesellschaftlichen Wandels besonders deutlich ablesen liessen.  

Präsentiert von führenden Südasienwissenschaftlern aus der Schweiz, Deutschland, Grossbritannien und den Niederlanden, ermöglichendie Vorlesungen des Moduls den TeilnehmerInnen in der Zusammenschau die komplexe historische Genese aktueller Problemlagen in einer der wichtigsten Weltregionen zu verstehen und einzuordnen. Gleichzeitig soll die Veranstaltung helfen, exotisierende Indienklischees zu überwinden. Die ausgesuchten Themen laden dazu ein, direkte Verbindungen zwischen Südasien und Europa zu erkennen und Vergleiche mit hiesigen Entwicklungen anzustellen.

Dozenten: Prof. Dr. Harald Fischer-Tiné, Prof. Dr. Blain Auer, Prof. Dr. Kama MacLean, Prof. Dr. Clemens Six, Dr. Shabnum Tejani, Prof. Dr. Ravi Ahuja

Aufstieg und Fall der Reiche – Universalhistorische Konzepte

Grossreiche üben auch heute noch eine besondere Faszination aus, welche oft zwischen Respekt, Abscheu und heimlicher Bewunderung schwankt. Das Modul untersucht anhand einer Reihe von Fallbeispielen, wie Imperien entstanden, wie sie ihren Aufstieg bewerkstelligten, wie sie auf ihrem Höhepunkt organisiert waren und auf ihre Umgebung ausstrahlten, und was schliesslich zu ihrer Auflösung führte. Viele dieser Grossreiche wirken über ihr formelles Ende hinaus, sowohl bezüglich Legitimitätsstiftung wie auch Strukturbildung. Das Modul analysiert schliesslich aus einer Gesamtperspektive, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede Imperien auszeichnet und wie sich diese Faktoren über die Zeitachse entwickelt haben, bis hin zu aktuellen Ereignissen.

Koordination: Dr. Rolf Tanner

Dozenten: Prof. Dr. Herfried Münkler, Prof. Dr. Michael Hochgeschwender, Prof. Dr. Fritjof Benjamin Schenk, Prof. Dr. Daniel Leese, Prof. Dr. Harald-Fischer-Tiné, Prof. Dr. Maurus Reinkowski

Geschichte und Ökonomie: Arbeit, Wissen und Technologie

Der rasante technologische Umbruch der letzten Jahrzehnte hat unsere Arbeitswelt grundlegend verändert. An die Stelle der traditionellen Industriegesellschaft ist eine Dienstleistungsökonomie getreten, welche Ausbildung und Wissen höher wertet denn je. Das Modul fragt nach den historischen Bedingungen des grossen Paradigmenwechsels der Gegenwart, untersucht die sich wandelnden Vorstellungen von Arbeit in früheren Perioden und beleuchtet die Herausforderungen der Arbeitsmarktpolitik im gegenwärtigen Zeitalter der multiplen Krisen. Dabei wird sichtbar, wie dynamisch das Verhältnis von Arbeit, Wissen und Technologie geworden ist.

Koordinator: Prof. Dr. Tobias Straumann

Das europäische Staatensystem und sein Werden

Das europäischen Staatensystem und sein Werden, Die antiken Grundlagen – Die griechische Polis und das Imperium Romanum. Mittelalter – Intensivierung und Verräumlichung von Herrschaft. Das frühneuzeitliche Europa. Staatstheorie – Machiavelli, Bodin, Hobbes. Europa im 19. / 20. Jahrhundert.

Koordination: Prof. Dr. Anne Kolb

Die Schweiz in Europa: Alte Erzählungen und neue Forschungen

Wer sich mit der Geschichte der Schweiz befasst, darf sich nicht damit begnügen, die wissenschaftlichen Erkenntnisse den historischen Mythen gegenüberzustellen, sondern muss beides kennen: die alten Erzählungen und die neuen Forschungen. Denn die alten Geschichten sind nach wie vor wirkungsmächtig, und die neuen Forschungen sind nur auf dem Hintergrund der alten Erzählungen verständlich. Überblicksvorlesungen zu den grossen Themen der Schweizer Geschichte und den grossen Schweizer Erzählungen werden kombiniert mit Exkursionen, die einen direkten Einblick in neue Forschungsprojekte gewähren.

Koordinator: Prof. Dr. Tobias Straumann

Geschichte und Ökonomie: Rohstoffe und der Wohlstand der Nationen

Rohstoffe bilden die Grundlage jeder wirtschaftlichen Tätigkeit. Ihre Nutzung entscheidet darüber, wieviel die Menschen zu essen haben, wieviel Energie ihnen zur Verfügung steht und welche Produkte sie herstellen können. Das Modul behandelt die wichtigsten Etappen der Rohstoffgeschichte von der Neolithischen Revolution bis zur Gegenwart und untersucht die Wechselbeziehungen zwischen Ressourcennutzung, Geopolitik und Klimawandel. Schliesslich soll auch folgende Frage auf dem Hintergrund der Geschichte diskutiert werden: Stehen wir tatsächlich am Ende des fossilen Zeitalters?

Koordination: Prof. Dr. Tobias Straumann

Dozenten: Dr. Roman Wild, Dr. Jonas Rüegg, Prof. Dr. em. Peer Vries, Dr. Helmut Stalder, Dr. Monika Gisler

School USA: «Old Man River» – Der Mississippi als Lebensader der USA

Im berühmten Song „Ol’ Man River“ wird der legendäre Fluss besungen, als wäre er ein weises Wesen mit Seele. Der Strom ist eine der zentralen Lebensadern der USA und mit fast 4000 km der viertlängste Fluss der Erde. Er entspringt im Norden der USA und schlängelt sich südlich bis nach Louisiana, um im grossen Delta bei New Orleans in den Golf von Mexiko zu münden.

Schon in präkolumbianischer Zeit diente der Fluss als Lebensader für die Ureinwohner Amerikas. Stämme wie die Cheyenne und die Sioux lebten an seinem Ufer gaben ihm seinen Namen Misiziibi (grosser Fluss). Später wurde er zur wichtigen Handelsroute der ersten französischen, spanischen und britischen Einwanderer. Insbesondere für die Geschichte des Südens der USA spielte der Fluss eine bedeutende Rolle. Sein Umland ist sehr fruchtbar, es wurde vor allem Mais, Tabak und Baumwolle angebaut und bis ins 20. Jahrhundert hinein war der Fluss ein Hauptverkehrsweg für den Transport von Waren und Menschen.

Der Fluss trug auch entscheidend zum wirtschaftlichen Erfolg der Sklaverei bei. Zum einen nutzen die Plantagenbesitzer den Fluss, um ihre Ernten zu den Märken zu bringen, ausserdem diente er dem inneramerikanischen Sklavenhandel. Die Vorstellung „to be sold down the river“ löste bei den meisten Schwarzen Angst und Schrecken aus. Allerdings eröffnete die Grösse des Flusses und die teilweise schwer zugänglichen Ufer einigen Sklaven auch die Chance zur Flucht. Verfolger hatten es schwer, hier entflohene Schwarze zu finden und einzufangen.

Darüber hinaus hat der Mississippi River auch eine starke künstlerische und literarische Bedeutung. Zahlreiche Schriftsteller wie Mark Twain haben in ihren Werken die Schönheit und den Charme des Flusses eingefangen. Der Mississippi wurde zu einem Symbol für den amerikanischen Traum, die Suche nach Abenteuer und Freiheit. Beachtenswert ist auch die Verbindung des Mississippis zur Musik der Südstaaten. So entstand der Blues, eine der einflussreichsten Musikrichtungen des 20. Jahrhunderts, entlang des Flusses. Künstler wie Muddy Waters und B.B. King haben den Blues in die Welt hinausgetragen und damit die amerikanische Musikszene nachhaltig geprägt.

Bedeutsam für das musikalische und künstlerische Erbe des Mississippis sowie für den Freiheitskampf der schwarzen Bevölkerung sind zwei seiner wichtigsten Städte: Memphis und New Orleans. Memphis als Geburtsstadt des Blues und des Rock‘n Roll und New Orleans – eine Stadt, die nicht zu Unrecht als eine der faszinierendsten Orte in den USA gilt. Memphis war die bedeutendste Stadt am Mittellauf des Flusses und ist bis heute Sitz einer der wichtigsten Baumwollbörsen der USA. Zuweilen lagen bis zu 300 Schaufelraddampfer im Hafen, den ein hektisches Treiben auszeichnete. Die Beale Street, ursprünglich die Amüsiermeile der Schiffer, wurde zur Geburtsstätte des Blues und beherbergt heute zahlreiche Musikkneipen.

Das 1718 von französischen Siedlern gegründete New Orleans wurde zu einem einzigartigen kulturellen Schmelztiegel. Die Stadt mit ihrer strategisch bedeutenden Lage und einem der grössten Handelshäfen Nordamerikas wechselte mehrmals zwischen französischer und spanischer Herrschaft, bevor sie 1803 im Louisiana Purchase an die Vereinigten Staaten überging und der jungen Republik den Zugang zum mächtigen Mississippi River verschaffte. Die kulturelle Bedeutung von New Orleans ist einzigartig und sowohl in seiner ganz besonderen Architektur, Musik und Küche zu spüren, in denen sich französische, spanische, kreolische und karibische Einflüsse verbinden. Besonders berühmt ist der Karneval (Mardi Gras). New Orleans ist zudem die Wiege und Hauptstadt des Jazz. Nicht nur in der Musik, sondern auch in der politischen Geschichte der Stadt spielten Afroamerikanerinnen und Afroamerikaner eine wichtige Rolle und die Stadt war seit dem späten 19. Jahrhundert ein wichtiges Zentrum der Bürgerrechtsbewegung. Trotz der verheerenden Zerstörungen des Hurrikans Katrina, der 2005 über 1.400 Menschen das Leben kostete und weite Teile der Stadt verwüstete, ist es New Orleans gelungen, wieder zu einer pulsierenden multikulturellen Metropole zu werden.

Der Kurs beginnt in Memphis und endet in New Orleans. Legendäre, für die Geschichte des Südens massgebliche Städte wie Vicksburg und Natchez sowie eine Baumwollplantage werden besucht. Im Rahmen der Veranstaltung werden durch die Lektüre, aktive Seminararbeit und Exkursionen zentrale Themen der Wirtschafts- und Kulturgeschichte des Mississippi erschlossen. Das beinhaltet die indigene Bevölkerung, die Geschichte der schwarzen Amerikaner und Amerikanerinnen sowie deren Kampf um Gleichberechtigung, den Bürgerkrieg und seine Folgen sowie das kulturelle Erbe des Flusses. Nirgendwo lässt sich das Wechselspiel von naturräumlicher Prägung und menschlichem Handeln wohl besser studieren als am „Old Man River“.

Koordination: Prof. Dr. Britta Waldschmidt-Nelson und Prof. Dr. Hartmut Berghoff

Weltperspektiven: China

China ist eine der Ursprungsquellen menschlicher Zivilisation, vieles ist originär und unabhängig von der westlichen Zivilisation entstanden. Dennoch ist China ‹nicht ganz anders› (Holenstein 2009), China hat auch eine grosse Bandbreite von Denk- und Handlungsoptionen, und viele Herausforderungen und Probleme wurden gleich oder ähnlich beantwortet und ggf. gelöst. Dieses Modul konzentriert sich auf das chinesische Denken in Bezug auf Wirtschaft, Staat und Gesellschaft. Wie ist wirtschaftlicher Wohlstand und gesellschaftliche Harmonie möglich? Wie werden gerechte Herrschaft, politische Legitimität, Generationen- und Geschlechterrollen gedacht? Und wie denkt China in Bezug auf die Gestaltung der Zukunft und die Veränderung der Welt?

Koordination: Prof. Dr. Patrick Ziltener, Prof. Dr. Marc Winter

Dozenten: Prof. Dr. Ralph Weber, Prof. Dr. Daniel Leese

Geschichte und Ökonomie: Aktuelle Probleme der Schweizer Wirtschaftspolitik

Negativzinsen, Reformstau bei der Altersvorsorge und Streit um das Rahmenabkommen: Die schweizerische Wirtschaftspolitik gibt immer wieder zu heftigen Debatten Anlass. Das Modul greift die drängendsten Fragen der Gegenwart auf und behandelt die verschiedenen Positionen aus einer historischen Perspektive.

Koordination: Dr. Thomas Studer, Prof. Dr. Christoph Schaltegger

Dozenten: Prof. Dr. Christoph A. Schaltegger, Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Bruno Frey, Prof. em. Dr. Urs Birchler, Prof. Dr. Peter Ziltener, Prof. Dr. Rudolf Minsch, Dr. Daniel Lampart, Dr. Alexandra Janssen, Dr. Adriel Jost, Dr. Christian Frey, Dr. Anna Koukal, Dr. Martin Mosler, Dr. Melanie Häner, Jackie Bauer

Zwischen «Regietheater» und «historischer Aufführungspraxis»: Die Interpretation von klassischen Werken der Musik, der Oper und des Theaters

Die Interpretation von klassischen Werken der Musik, der Oper und des Theaters: Die Frage der Interpretation von klassischen Werken ist ein kontroverses Thema des heutigen Kulturlebens. Es gilt immer wieder neu abzuwägen zwischen den Bedürfnissen des modernen Geschmacks und den ererbten historischen Kontexten, in denen die klassischen Werke entstanden sind. Das Modul bringt Dramaturgen, Interpretinnen, Kulturwissenschaftler und Historikerinnen zusammen, um die sich wandelnden Vorstellungen über die „richtige“ Aufführungspraxis über die letzten zwei Jahrhunderte besser zu verstehen.

Koordinator: Prof. Dr. Hans-Joachim Hinrichsen

Von der europäischen Expansion zur globalen Gleichzeitigkeit

Das Modul ist breit angelegt und wird „Globalisierung“ sowohl in historischer als auch in gegenwartsbezogener Hinsicht behandeln. Die Globalgeschichte ist kein Forschungsfach mit einer spezifischen Themenstruktur und Terminologie, wie dies zum Beispiel bei der Wirtschaftsgeschichte oder der Sozialgeschichte der Fall ist, sondern lässt sich mit unterschiedlichen Perspektiven der Geschichtswissenschaft und anderer Disziplinen verbinden. Das Modul soll verschiedene methodische Zugänge zum Thema vorstellen und erproben. Dabei ergeben sich die Themen und Zugangsweisen aus der konkreten Forschungsarbeit unserer Gastdozierenden, die mal Fragestellungen von dezidiert globaler Reichweite verfolgen, mal konkrete, aber exemplarische Fälle von Auswirkungen und historischen Folgen globaler Prozesse behandeln.

Das Modul hat verschiedene Teile: Zu Beginn wird es um die neuzeitliche Geschichte des Vorderen Orients im globalen Zusammenhang gehen. Zwei weitere Schwerpunkte werden der Prozess der europäischen Expansion in Asien sowie die Wirtschaftsgeschichte in der Frühen Neuzeit sein. Weiter werden die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen europäischen und ostasiatischen Volkswirtschaften Chinas und Japans in der Frühen Neuzeit diskutiert, oder dann Themen wie Migration und den Transfer von Wissen im transatlantischen Kontext sowie Konzepte der „Kolonialen Schweiz“ und der „Postkolonialen Schweiz“.

Modulkoordinator: Prof. Dr. Sven Trakulhun

Geschichte und Ökonomie: Geschichte der Wirtschafts- und Finanzkrisen

Der Wohlstand einer Nation wird durch langfristig wirkende Faktoren bestimmt, etwa durch die Stabilität der politischen Institutionen, das Bildungssystem, das Handelsregime oder die Innovationstätigkeit. Kurzfristig können aber Wirtschafts- und Finanzkrisen enormen
wirtschaftlichen Schaden anrichten und grosse politische Verwerfungen auslösen, wie wir es in den letzten Jahren gerade wieder erlebt haben. Das Modul strebt eine langfristige Sicht der Dinge an, um die Muster von Wirtschafts- und Finanzkrisen herauszuarbeiten. Erste grösser Bankenzusammenbrüche und Staatsbankrotte beobachten wir bereits im mittelalterlichen Italien, als die internationale Kreditverflechtung dank neuen Finanzinstrumenten ihren Anfang nahm. Wir behandeln die holländische Tulpenmanie im 17.Jahrhundert und die Doppelkrise in London und Paris zu Beginn des 18. Jahrhunderts (South Sea und Mississippi Bubble). Grossen Raum wird die Analyse der Grossen Depression der 1930er Jahren einnehmen, weil sie von grosser historischer Tragweite war und bis heute prägend für das ökonomische Denken ist.

Zum besseren Verständnis der heutigen politischen Situation befassen wir uns ferner mit der grossen Gründerkrise von 1873. Protektionistische Massnahmen, der Aufstieg von radikalen Bewegungen und die Rückbesinnung auf das Nationale sind typische Symptome der Zeit nach der Krise. Grossen Raum wird auch die Beschäftigung mit der Geld- und Währungspolitik einnehmen. Seit 2009 sind die nominalen Zinsen auf einem rekordtiefen Niveau, und es sieht nicht danach aus, als ob bald eine Normalisierung eintreten würde. Auch diese drängenden Gegenwartsfragen lassen sich aus einer wirtschaftshistorischen Perspektive besser verstehen.

Dozentinnen und Dozenten:

  • Daniel Decurtins (Direktorin des Verbands der schweizerischen Gasindustrie)
  • Dr. Annalisa Manera (ETH Zürich)
  • Jacob Bjorheim (Universität Zürich)
  • phil. Markus Diem Meier (Chefredaktor der Handelszeitung)
  • Serge Gaillard (ehem. Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung)
  • Dr. Werner Plumpe (Goethe-Universität Frankfurt a.M.)
  • Prof. Dr. Tobias Straumann (Universität Zürich)

Weltperspektiven: Japan

Die Geschichte Japans im 19. und 20. Jahrhundert ist ein beliebtes Beispiel einer nicht-westlichen Nation, die durch Modernisierung zu einer imperialen Macht aufstieg. Dieser Kurs bietet eine kritische Übersicht dieser Transformation und untersucht die Ursprünge der japanischen Industrialisierung, die Bedeutung Japans komplizierter Beziehungen zum Asiatischen Kontinent sowie das Wesen der japanischen Expansion und der daraus folgenden Kriege. Wir analysieren das (angebliche) Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit sowie die Implikationen der zwei „verlorenen Jahrzehnte“ nach dem Platzen der Wirtschaftsblase der 1980er Jahre. Die Dozierenden folgen der zeitgemässen Praxis, Japan in seinem transnationalen Kontext zu verstehen, anstatt es als einzigartiges Studienobjekt zu repräsentieren, das nur durch Kenntnis spezifischer Kultur und Wertesysteme verstanden werden kann. Wir schenken neuen methodologischen Zugängen wie Umweltgeschichte, Gender History, und History from Below besondere Beachtung.

Modulkoordinator: Prof. Dr. Martin Dusinberre

School Rom: Das antike Rom – Hauptstadt eines Weltreichs

Rom, heute die Hauptstadt der Repubblica Italiana, war vor rund zweitausend Jahren das Zentrum eines der grössten Weltreiche der Geschichte. Nach ihren Anfängen als kleine Siedlung am Unterlauf des Tiber entwickelte sich die Stadt zum Ausgangspunkt einer ungeheuren Expansion, die zunächst Italien und dann das gesamte Mittelmeerbecken umfasste, bis Rom unter der Führung seiner Kaiser ein Gebiet beherrschte, das von Britannien bis an den Euphrat und von Rhein und Donau bis an die Sahara und den Ausgang der Roten Meeres reichte. Überall in der Stadt waren die Etappen dieser Entwicklung und Zeichen der Weltherrschaft sichtbar. Dieses Modul wird zu den sichtbaren Überresten der antiken Weltstadt und Kaiserresidenz führen, deren Bedeutung und Interpretation im Zentrum der Veranstaltung stehen werden.

Koordinator: PD Dr. Michael A. Speidel

Demokratie: Historische Veränderungen und Konflikterfahrungen von der Antike bis in die Neuzeit

Im Mittelpunkt des Moduls stehen die historische Entwicklung des Prinzips der gleichen Teilhabe an Staat und Gesellschaft, sowie exemplarische Erfahrungen und Konflikte, die sich mit der Demokratie als Theorie und Praxis zwischen Antike, Neuzeit und Zeitgeschichte verbanden.

Koordinator: Prof. Dr. Jörn Leonhard

Dozenten: Prof. Dr. Claudia Tiersch, Prof. Dr. Bernhard Jussen, Prof. Dr. Ronald Asch

Diktatoren und Diktaturen. Anatomien «totaler» Macht

Dieses Modul untersucht, was die Diktatur im Innersten zusammenhält. Wir fragen, unter welchen historischen Bedingungen totalitäre Regime entstehen konnten, welcher Techniken sich die Machthaber bedienten und weshalb Diktaturen untergingen. Auf die theoretische Auseinandersetzung folgt die Analyse konkreter Fallbeispiele. Dabei werden Machtsysteme ebenso thematisiert wie die Psychologie des Diktators und die Mechanismen, die «Unterdrückte» zu Kollaborateuren machen.

Modulkoordinator: Prof. Dr. Jeronim Perovic

Geschichte und Ökonomie: Unternehmensgeschichte: Konzepte, Wendepunkte, Fallbeispiele

Unternehmen sind, wie die Menschen, im Kern geschichtliche Wesen. Es gibt gewisse, meist im Anfangsstadium der Entwicklung erworbene Eigenschaften, die eine starke Identität verleihen, zugleich aber den Raum des Möglichen begrenzen. Die Macht der Tradition ist so stark, dass Veränderungen immer mit grossen Risiken verbunden sind. Manchmal gelingt es, in der Krise das Steuer herumzureissen und der Organisation einen neuen Schwung zu verleihen, manchmal scheitern Unternehmer und Manager, weil sie kulturelle Fragen vernachlässigen.

So wird auch das historische Verständnis des unternehmerischen Erfolgs dem Gegenstand nur gerecht, wenn neben den Kennzahlen und Marktanalysen auch die Kultur eines Unternehmens und die Gedankenwelt der verantwortlichen Persönlichkeiten berücksichtigt werden. In bestimmten historischen Phasen braucht es Unternehmer und Manager, die mit ruhiger Hand führen und die Tradition pflegen, in anderen Perioden braucht es abenteuerlustige Charaktere, die mit einer disruptiven Agenda den Schutt der Geschichte wegräumen, ohne die Identität des Unternehmens zu zerstören.

Daraus ergeben sich viele historische Fragen. Wie erwirbt ein Unternehmen eine bestimmte Kultur? Welche Spielräume eröffnen sich in Krisen? Welche Faktoren entscheiden über Erfolg und Misserfolg der Unternehmensführung? Anhand von Fallbeispielen und Gesprächen mit prominenten Persönlichkeiten versucht das Modul, die Beziehung zwischen Geschichte, Kultur und Erfolg besser zu verstehen.

Dozenten:

Dr. Angela Bhend, Alexander Bieri, Dr. Benedikt Weibel, Clemens Fässler, Dr. Denise Ruisinger, Prof. Dr. Hartmut Berghoff, Kilian Elsasser, Dr. des. Leo Grob, Dr. Regula Bochsler, Dr. Roman Wild, Tobias Ehrenbold, Prof. Dr. Tobias Straumann

Einführungs- und Theoriemodul (für beide Studiengänge)

Das Modul bietet eine grundlegende Einführung in das Handwerk der Geschichtswissenschaft. Die Teilnehmenden sollen in konzentrierter Form mit Techniken der fachwissenschaftlichen Literaturrecherche, Quellenerschliessung und -interpretation vertraut gemacht werden.

Dozenten: lic. phil. Walter Bersorger, Dr. Jacob Bjorheim, Dr. Julian Führer, Dr. Karin Huser, Prof. Dr. Anne Kolb, Dr. Bettina Schöller, Dr. Thomas Zaugg

Koordination: Walter Bersorger, Tobias Straumann

Antike Kulturen im Kontext: Europa, Vorderer Orient und Asien

Das Modul soll einerseits einen Überblick über die alten Kulturen in Europa, Orient und Asien bieten, um die Entstehung von Reichen und ihrer Hinterlassenschaft einordnen zu können. Andererseits werden ausgewählte und prägend gewordene Reichsbildungen im Detail betrachtet, um ihre gesellschaftliche und staatliche Ordnung, aber auch deren wirtschaftliche Grundlagen zu verstehen. Dazu gehören das alte Ägypten, China, Indien, der Vordere Orient (dabei etwa Alt-Babylon unter Hammurapi, Assyrien und das Perserreich der Achaimeniden), Griechenland und das römische Reich.

Koordination: Prof. Dr. Anne Kolb

Dozenten: Prof. Dr. Anne Kolb, Prof. Dr. Christian Marek, PD Dr. Sandra Lippert, Prof. Dr. Wolfgang Behr, Prof. Dr. Ingo Strauch

School Kopenhagen: Die Metropole des Nordens

Wikinger, Hanse, Shakespeare: Skandinavien, das weite Land in Europas Norden

Kopenhagen gilt als „Venedig des Nordens“: über Jahrhunderte hinweg verband die Handelsmetropole am Sund Ost und West sowie Nord und Süd. Sie war Zentrum eines in Mitteleuropa wenig bekannten skandinavischen Imperiums und erlebte als Hanse-Stadt eine grosse Blüte. In jüngerer Zeit hat sich Kopenhagen als Design-, Film- und Kunstmetropole mit internationaler Ausstrahlung profiliert.

Der Norden Europas unterscheidet sich bis heute klar vom Rest des Kontinents. Skandinavien beherbergt reiche und wohlgeordnete Volkswirtschaften, deren „starker“ Staat einen zur Schweiz durchaus alternativen Gesellschaftsentwurf aufweist. Neben effizienter Landwirtschaft und elegantem (Industrie-) Design bieten die nordischen Länder allerdings auch eine ausgesprochen vielseitige Geschichte: Wikinger und Christianisierung, Hanse und absolute Monarchie. Wohin man auch blickt, Kopenhagen und Umgebung zeigen eine eindrückliche Mischung aus Alt und Neu auf, gilt als eine der attraktivsten Hauptstädte Europas und zieht Menschen aus aller Welt an.

Dieser Kurs zeichnet die Geschichte Dänemarks von den Wikingern über die Hanse und Hamlet bis zur Gegenwart nach. Zentrale Stationen neben Kopenhagen sind der Roskilde und Trelleborg sowie das Louisiana Museum of Modern Art und Helsingør, die den langen historischen Bogen von den vergangenen Tagen bis zur Gegenwart spannen.

Koordinator der School: Prof. Dr. Stephan Sander-Faes, Professor für Frühe Neuzeit, University of Bergen

Dozentinnen und Dozenten: 

  • Prof. Dr. Tiffany Stern, Professorin für Shakespeare und frühneuzeitliches Drama am Shakespeare Institute, University of Birmingham
  • Prof. Dr. Carsten Jahnke, Associate Professor für mittelalterliche Geschichte am SAXO-Institute der Universität Kopenhagen
  • Prof. Dr. Anne-Irene Risøy, Professorin für Geschichte und Sozialwissenschaften, University of South-Eastern Norway, Notodden
  • Dr. Aske Laursen Brock, Historiker für globalen sozioökonomischen und kulturellen Wandel in der frühen Neuzeit
  • Prof. Dr. Stephan Michael Schröder, Professor für Nordische Philologie/ Skandinavistik an der Universität zu Köln
  • Prof. Dr. J. Fabricius Møller, Professor am Saxo-Institut der Universität Kopenhagen

Programm_School_Kopenhagen

Massenbewegungen und Revolutionen der Neuzeit

Revolutionen sind zentrale Elemente im historiographischen Narrativ der Neuzeit und der (Post)Moderne. Sie komprimieren radikale, fundamentale Veränderungen in einen kurzen Zeitraum; plötzlich werden Dinge möglich, die kurz vorher noch als unmöglich, ja als undenkbar galten – und sie stehen damit im Gegensatz zum Konzept der „longue durée“ der nur allmählichen strukturellen Transformation von Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Religion und Kultur. Revolutionen und Massenbewegungen sind die hochemotionalen Momente der Geschichte; sie sind verbunden mit Hoffnungen, Sehnsüchten und dem Gefühl der Freiheit. Sie nähren den Mythos vom „Volk“, das sich selbst befreit und die Macht ergreift gegen eine ungerechte Tyrannei. Revolutionen führen aber in der Praxis oft zu Enttäuschungen, Frustrationen, Repression und Restauration. Revolutionen „gelingen“ – und sie „scheitern“. Das Modul widmet sich den Revolutionen der Neuzeit und Moderne: Auf eine begriffliche Klärung folgen Seminarblöcke zum Bauernkrieg als (schweizerischer, aber gescheiterter) Revolution, zum Arabischen Frühling, zu den Umwälzungen in Osteuropa 1989 sowie zu den Revolutionen in Kuba, Frankreich (1789), Iran und China. Wegen der Disponibilität der Dozierenden folgt das Programm nicht einer strikten Chronologie. Dieser Umstand erlaubt aber auch ein Vergleich zwischen Revolutionen und Massenbewegungen in unterschiedlichen Epochen und verschiedenen Regionen, die Identifizierung von Gemeinsamkeiten wie auch die Benennung von Eigenheiten und Idiosynkrasien, was die Komplexität und letztliche Unschärfe des Revolutionsbegriff unterstreicht.

Dozenten: Dr. Rolf Tanner, Prof. Dr. Andreas Würgler, Prof. Dr. Martin Sabrow, Dr. Elham Manea, Prof. Dr. Andreas Stucki, Prof. Dr. Thomas Lau, Prof. Dr. Daniel Leese, Dr. Martin Beckstein

Ideen, Ideale und Ideologien. Geschichte der Weltentwürfe

Ideen haben immer wieder die gesellschaftliche Realität geprägt – und umgekehrt. Dass sich Ideale zu Ideologen verfestigen können, aus denen es praktisch kein Entrinnen mehr gibt, ist eine der Evidenzen dafür. Wer die grossen Umwälzungen der Geschichte verstehen will, kommt um deren ideengeschichtlichen Grundlagen nicht herum. In diesem Modul werden die grossen Linien der philosophischen, politischen und gesellschaftlichen Weltentwürfe nachgezeichnet und kontrastiert: von Platons Idealstaat zu Poppers offenen Gesellschaft, vom mittelalterlichen Gottesstaat zur liberalen Demokratie, von den Idealen der Aufklärung zu deren „woken“ Überspitzungen, von den Grundlagen der Moderne bis zur Kritik der Globalisierung.

Koordination: Dr. Katja Gentinetta

Geschichte und Ökonomie: Der Aufstieg Europas und die «grosse Divergenz»

Die heutige Weltwirtschaft ist nach wie vor durch grosse Wohlstandsunterschiede gekennzeichnet. In den afrikanischen Ländern südlich der Sahara schwankt das Einkommen pro Kopf zwischen 500 und 4000 Dollar, in reichen Ländern wie Deutschland und der Schweiz beträgt es im Durchschnitt rund 50’000 Dollar. Diese frappanten Unterschiede lassen sich nur erklären, wenn man die langfristigen Entwicklungen versteht. Das Modul behandelt deshalb die Frage, warum die industrielle Revolution in Europa ihren Ausgang nahm und wie die „grosse Divergenz“ entstand.

Dozenten: Prof. Dr. Tobias Straumann, Prof. Dr. Ewout Frankema, Prof. Dr. Jürg Helbling, Prof. Dr. Patrick Ziltener

Urbanisierung: Von der antiken Stadt zur Megacity

„Urban“ ist kein Begriff, der sich zur Kategorienbildung in der historischen Forschung eignet. Vielmehr scheint der Begriff zu einem Plastik-Wort verkommen zu sein, um Immobilienbeschreibungen preissteigernd aufzufrischen oder Kleiderkollektionen einen Touch von Weltläufigkeit zu vermitteln. Dagegen ist „Urbanisierung“ ein wissenschaftliches heuristisches Konzept, mit dem sich vor allem längerfristige Entwicklungen in Gesellschaften untersuchen lassen.

Da sich dieses spannende Konzept nicht allein historisch betrachten lässt, soll durch eine bewusste Methoden- und Referentenvielfalt ein Einblick in die unterschiedlichen Anwendungsbereiche des Urbanisierungsbegriffs gegeben werden. Die dabei zu erarbeiteten Themen sind entsprechend vielfältig. Es werden Strukturen der Stadt in der Antike und im Mittelalter analysiert, die Reaktionen von Städten auf Katastrophen in der Neuzeit nachgezeichnet und die Triebkräfte der Stadtentwicklung vom frühen Städtewesen zur Metropolitanregion aufgezeigt. Auch aktuelle Themen wie „Unordnung und Ordnung“ in modernen Metropolen (Stichwort „Slum“) und oder Fragen nach dem Lebensraum Stadt, ihre Topographien, die Architektur, die Gegensätze von Arbeitervierteln und Wolkenkratzern, Stadt- und Landflucht sollen problematisiert werden. Zudem sollen gezielte Schlaglichter auf die so genannten „Megacities“ und vor allem die Beziehungen zwischen Urbanem Raum und der Umwelt geworfen werden, immer mit dem Anspruch, die aktuellen und zukünftigen Probleme auf dem Hintergrund ihrer Geschichte und der Stadtentwicklungen im Allgemeinen besser zu verstehen. Der Ausblick auf die Triebkräfte der Stadtentwicklung und den „urban sprawl“ wird vor Augen führen, wie sehr die Geschichtsforschung sich vom Konzept der „Stadt“ lösen muss, um gesellschaftliche Phänomene des Nutzens, Wohnens und Bauens einordnen zu können.

Dozenten: Prof. Dr. Gerald Schwedler, PD Dr. Armand Baeriswyl, Prof. Dr. Benedikt Boucsein, Prof. Dr. Arndt Brendecke, Dr. Martin Illi, Prof. Dr. Daniel Kübler, Univ. lic. Phil. Martin Leonhard, Prof. Dr. Dieter Schott, Hanna Schlösser, Prof. Dr. Jörg Schwarz, Prof. Dr. Felix Thürlemann, Dipl. Architekt Michael Wagner, PD Dr. Marc Winter

Geschichte und Ökonomie: Geschichte des ökonomischen Denkens

Die Wirtschaftsgeschichte wird nicht nur von materiellen Interessen und Kräften getrieben, sondern auch von Ideen und Weltbildern. Der britische Ökonom John Maynard Keynes schrieb gar in seinem Hauptwerk: Die Gedanken der Ökonomen und Staatsphilosophen sind einflussreicher, als gemeinhin angenommen wird, sowohl wenn sie im Recht, als auch im Unrecht sind. In Wirklichkeit wird die Welt durch wenig anderes beherrscht als durch sie. Für ein Verständnis der Gegenwart ist deshalb die Kenntnis der wichtigsten ökonomischen Lehrmeinungen unerlässlich.

Modulkoordinatorin: PD Dr. Andrea Franc

Curriculum 2024 - 2026