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MAS Applied History
Programm Management
Historisches Seminar
Universität Zürich
Culmannstrasse 1
CH-8006 Zürich
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Die Weiterbildungsprogramme in Applied History der Universität Zürich leiten dazu an, über den Tellerrand hinauszublicken. Sie erschliessen in praxisnaher Weise die spezifischen strategischen Potentiale der historischen Methode, die generell für die verschiedensten Berufsfelder von praktischem Nutzen sind: in Politik, Diplomatie, Wirtschaft, Lehre, im Management, im Medien- und im Kulturbetrieb. Das Programm vermittelt ein vertieftes Verständnis aktueller Probleme und Konflikte; es macht mit wesentlichen Aspekten der modernen Geschichtswissenschaft vertraut. Historisches Denken wird als vielfältig einsetzbare, intellektuelle Software vorgeführt.

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Von der europäischen Expansion zur globalen Gleichzeitigkeit

Das Modul ist breit angelegt und wird „Globalisierung“ sowohl in historischer als auch in gegenwartsbezogener Hinsicht behandeln. Die Globalgeschichte ist kein Forschungsfach mit einer spezifischen Themenstruktur und Terminologie, wie dies zum Beispiel bei der Wirtschaftsgeschichte oder der Sozialgeschichte der Fall ist, sondern lässt sich mit unterschiedlichen Perspektiven der Geschichtswissenschaft und anderer Disziplinen verbinden. Das Modul soll verschiedene methodische Zugänge zum Thema vorstellen und erproben. Dabei ergeben sich die Themen und Zugangsweisen aus der konkreten Forschungsarbeit unserer Gastdozierenden, die mal Fragestellungen von dezidiert globaler Reichweite verfolgen, mal konkrete, aber exemplarische Fälle von Auswirkungen und historischen Folgen globaler Prozesse behandeln.

Das Modul hat verschiedene Teile: Zu Beginn wird es um die neuzeitliche Geschichte des Vorderen Orients im globalen Zusammenhang gehen. Zwei weitere Schwerpunkte werden der Prozess der europäischen Expansion in Asien sowie die Wirtschaftsgeschichte in der Frühen Neuzeit sein. Weiter werden die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen europäischen und ostasiatischen Volkswirtschaften Chinas und Japans in der Frühen Neuzeit diskutiert, oder dann Themen wie Migration und den Transfer von Wissen im transatlantischen Kontext sowie Konzepte der „Kolonialen Schweiz“ und der „Postkolonialen Schweiz“.

Dozenten: Prof. Dr. Sven Trakulhun, Prof. Dr. Peer Vries, Prof. Dr. Claudia Schnurmann, Prof. Dr. Hermann Wellenreuther, Prof. Dr. Christof Dejung

Geschichte und Ökonomie: Geschichte der Wirtschafts- und Finanzkrisen

Der Wohlstand einer Nation wird durch langfristig wirkende Faktoren bestimmt, etwa durch die Stabilität der politischen Institutionen, das Bildungssystem, das Handelsregime oder die Innovationstätigkeit. Kurzfristig können aber Wirtschafts- und Finanzkrisen enormen
wirtschaftlichen Schaden anrichten und grosse politische Verwerfungen auslösen, wie wir es in den letzten Jahren gerade wieder erlebt haben. Das Modul strebt eine langfristige Sicht der Dinge an, um die Muster von Wirtschafts- und Finanzkrisen herauszuarbeiten. Erste grösser Bankenzusammenbrüche und Staatsbankrotte beobachten wir bereits im mittelalterlichen Italien, als die internationale Kreditverflechtung dank neuen Finanzinstrumenten ihren Anfang nahm. Wir behandeln die holländische Tulpenmanie im 17.Jahrhundert und die Doppelkrise in London und Paris zu Beginn des 18. Jahrhunderts (South Sea und Mississippi Bubble). Grossen Raum wird die Analyse der Grossen Depression der 1930er Jahren einnehmen, weil sie von grosser historischer Tragweite war und bis heute prägend für das ökonomische Denken ist.

Zum besseren Verständnis der heutigen politischen Situation befassen wir uns ferner mit der grossen Gründerkrise von 1873. Protektionistische Massnahmen, der Aufstieg von radikalen Bewegungen und die Rückbesinnung auf das Nationale sind typische Symptome der Zeit nach der Krise. Grossen Raum wird auch die Beschäftigung mit der Geld- und Währungspolitik einnehmen. Seit 2009 sind die nominalen Zinsen auf einem rekordtiefen Niveau, und es sieht nicht danach aus, als ob bald eine Normalisierung eintreten würde. Auch diese drängenden Gegenwartsfragen lassen sich aus einer wirtschaftshistorischen Perspektive besser verstehen.

Dozenten: Prof. Dr. Tobias Straumann, Prof. Dr. Aymo Brunetti, Prof. Dr. Stefanie Walter, Prof. Dr. Werner Plumpe, Prof. Dr. Peter Kugler, Dr. Catherine Davies, Prof. Dr. Youssef Cassis, Dr. Stefan Tobler, Dr. Jacob Bjorheim

Weltperspektiven: Afrikas Geschichte – Gesellschaft, Politik und Umwelt

Der kongolesische Wissenschaftler, Literat und Intellektuelle Valentin Mudimbe hat in seinen zahlreichen Schriften die paradoxe Stellung Afrikas in der Entstehung modernen Wissens beschrieben: zum einen hat die Afrikaforschung den Sozial- und Geisteswissenschaften zentrale Kategorien bereitgestellt, zum anderen werden afrikanische Themen und Fragestellungen oft als randständig betrachtet, da sich vermeintlich nichts zur Kenntnis und zum Verständnis der Welt beitragen.

Bis heute, so hat jüngst der kamerunische Politikwissenschaftler Achille Mbembe in Anknüpfung an Mudimbe festgehalten, bleibt die Wahrnehmung des afrikanischen Kontinents oft oberflächlich. Komplexe soziale Erscheinungen wie etwa Krieg, Konflikte, Krankheit, Armut, Umweltverschmutzung oder Analphabetismus werden von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft oft als rein technische Probleme behandelt, welche lediglich einer technologischen Lösung oder humanitären Intervention bedürfen. Dabei wird so getan als ob die Menschen, welche den politischen, gesellschaftlichen, ökologischen und humanitären Krisen ausgesetzt sind, keine Geschichte, keine Moral und keine Emotionen hätten.

Dieses Modul geht von gegenwärtigen Diskussionen zur Geschichte, Gesellschaft und Umwelt in afrikanischen Kontexten aus und richtet den Blick auf die politischen, historischen, kulturellen und intellektuellen Ressourcen, mittels derer Afrikaner*innen ihre lokalen, regionalen und globalen Lebenswelten verstehen und gestalten.

Dozenten: PD Dr. Lorena Rizzo, Dr. Giorgio Miescher, Dr. Luregn Lenggenhager, Dr. Phindezwa Mnyaka

Urbanisierung – von der Stadt zur Megacity

„Urban“ ist kein Begriff, der sich zur Kategorienbildung in der historischen Forschung eignet. Vielmehr scheint der Begriff zu einem Plastik-Wort verkommen zu sein, um Immobilienbeschreibungen preissteigernd aufzufrischen oder Kleiderkollektionen einen Touch von Weltläufigkeit zu vermitteln. Dagegen ist „Urbanisierung“ ein wissenschaftliches heuristisches Konzept, mit dem sich vor allem längerfristige Entwicklungen in Gesellschaften untersuchen lassen.

Da sich dieses spannende Konzept nicht allein historisch betrachten lässt, soll durch eine bewusste Methoden- und Referentenvielfalt ein Einblick in die unterschiedlichen Anwendungsbereiche des Urbanisierungsbegriffs gegeben werden. Die dabei zu erarbeiteten Themen sind entsprechend vielfältig. Es werden Strukturen der Stadt in der Antike und im Mittelalter analysiert, die Reaktionen von Städten auf Katastrophen in der Neuzeit nachgezeichnet und die Triebkräfte der Stadtentwicklung vom frühen Städtewesen zur Metropolitanregion aufgezeigt. Auch aktuelle Themen wie „Unordnung und Ordnung“ in modernen Metropolen (Stichwort „Slum“) und oder Fragen nach dem Lebensraum Stadt, ihre Topographien, die Architektur, die Gegensätze von Arbeitervierteln und Wolkenkratzern, Stadt- und Landflucht sollen problematisiert werden. Zudem sollen gezielte Schlaglichter auf die so genannten „Megacities“ und vor allem die Beziehungen zwischen Urbanem Raum und der Umwelt geworfen werden, immer mit dem Anspruch, die aktuellen und zukünftigen Probleme auf dem Hintergrund ihrer Geschichte und der Stadtentwicklungen im Allgemeinen besser zu verstehen. Der Ausblick auf die Triebkräfte der Stadtentwicklung und den „urban sprawl“ wird vor Augen führen, wie sehr die Geschichtsforschung sich vom Konzept der „Stadt“ lösen muss, um gesellschaftliche Phänomene des Nutzens, Wohnens und Bauens einordnen zu können.

Dozenten: Prof. Dr. Gerald Schwedler, PD Dr. Armand Baeriswyl, Prof. Dr. Benedikt Boucsein, Prof. Dr. Arndt Brendecke, Dr. Martin Illi, Prof. Dr. Daniel Kübler, Univ. lic. Phil. Martin Leonhard, Prof. Dr. Dieter Schott, Hanna Schlösser, Prof. Dr. Jörg Schwarz, Prof. Dr. Felix Thürlemann, Dipl. Architekt Michael Wagner, PD Dr. Marc Winter

Geschichte der Migration und der Migrationspolitik

Migration ist eine Konstante der conditio humana und seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts eng mit Formen des sozialen, politischen und wirtschaftlichen Wandels verflochten. Die historische Analyse der Migration ist daher hilfreich, um vergangene und gegenwärtige Transformationen einer stets enger zusammenrückenden Welt besser zu verstehen. Die Verflechtung verschiedener historischer Entwicklungen und ihrer Deutung werden in der Analyse des Streits um Migration fassbar. Migration und Mobilität als Treiber und Folgeerscheinung eines gesellschaftlichen Wandels werden in diesem Modul in komparativer und historischer Perspektive anhand verschiedener Felder diskutiert.

Dozenten: Prof. Dr. Gianni D’Amato, Prof. Dr. Kristina Schulz, Dr. Francesca Falk, Prof. Dr. Leo Lucassen

School: Hawai’i – An Unknown Hub of Global History

This course offers an intensive, field-based introduction to the history of the Hawaiian archipelago—one of the key sites of Pacific and global history in the nineteenth and twentieth centuries. Spending half our time in Honolulu and half on one of the other islands, we shall study multiple aspects of the archipelago’s history, including: pre-contact history; the emergence of Hawai‘i as a key entrepot for global trade at the turn of the nineteenth century; the relationship between New England missionaries and Native Hawaiian law; the sugar plantation economy and accompanying waves of immigration; the illegal overthrow of the Hawaiian monarchy in 1893 and the post-annexation relationship with the United States; the emergence of Hawai‘i as a global tourist destination; and the so-called “renaissance” of the Hawaiian language in public education in the last few decades. The course will be taught by leading scholars in nineteenth- and twentieth-century Hawaiian history, including Professors Noelani Arista and John Rosa; we shall also have sessions at key museums and historical sites on the islands, including the Bernice Pauahi Bishop Museum.

Dozenten: Prof. Dr. Martin Dusinberre, David Chang, Prof. Dr. Noelani M. Arista, Prof. Dr. John P. Rosa

Diktatoren und Diktaturen. Anatomien «totaler» Macht

Dieses Modul untersucht, was die Diktatur im Innersten zusammenhält. Wir fragen, unter welchen historischen Bedingungen totalitäre Regime entstehen konnten, welcher Techniken sich die Machthaber bedienten und weshalb Diktaturen untergingen. Auf die theoretische Auseinandersetzung folgt die Analyse konkreter Fallbeispiele. Dabei werden Machtsysteme ebenso thematisiert wie die Psychologie des Diktators und die Mechanismen, die «Unterdrückte» zu Kollaborateuren machen.

Dozenten: Prof. Dr. Jeronim Perovic, Dr. Götz Aly, Prof. Dr. Tim Epkenhans, Prof. Dr. Kerem Öktem, Prof. Dr. Martin Sabrow, Dr. Guido Steinberg, Prof. Dr. Sebastian Heilmann

Geschichte und Ökonomie: Unternehmensgeschichte: Konzepte, Wendepunkte, Fallbeispiele

Unternehmen sind, wie die Menschen, im Kern geschichtliche Wesen. Es gibt gewisse, meist im Anfangsstadium der Entwicklung erworbene Eigenschaften, die eine starke Identität verleihen, zugleich aber den Raum des Möglichen begrenzen. Die Macht der Tradition ist so stark, dass Veränderungen immer mit grossen Risiken verbunden sind. Manchmal gelingt es, in der Krise das Steuer herumzureissen und der Organisation einen neuen Schwung zu verleihen, manchmal scheitern Unternehmer und Manager, weil sie kulturelle Fragen vernachlässigen.

So wird auch das historische Verständnis des unternehmerischen Erfolgs dem Gegenstand nur gerecht, wenn neben den Kennzahlen und Marktanalysen auch die Kultur eines Unternehmens und die Gedankenwelt der verantwortlichen Persönlichkeiten berücksichtigt werden. In bestimmten historischen Phasen braucht es Unternehmer und Manager, die mit ruhiger Hand führen und die Tradition pflegen, in anderen Perioden braucht es abenteuerlustige Charaktere, die mit einer disruptiven Agenda den Schutt der Geschichte wegräumen, ohne die Identität des Unternehmens zu zerstören.

Daraus ergeben sich viele historische Fragen. Wie erwirbt ein Unternehmen eine bestimmte Kultur? Welche Spielräume eröffnen sich in Krisen? Welche Faktoren entscheiden über Erfolg und Misserfolg der Unternehmensführung? Anhand von Fallbeispielen und Gesprächen mit prominenten Persönlichkeiten versucht das Modul, die Beziehung zwischen Geschichte, Kultur und Erfolg besser zu verstehen.

Dozenten: Dr. Roman Wild, Prof. Dr. Hartmut Berghoff, Prof. Dr. Alexis Schwarzenbach 

Grosse Geschichtsschreibung: Neuzeit und Gegenwart

Was ist das: „Grosse Geschichtsschreibung“? Was ist spezifisch „gross“ an bestimmten historiographischen Werken, was ist bedeutend, was bemerkenswert oder was vielleicht einfach nur eigentümlich an dem, was Historikerinnen und Historiker produziert haben? Das Modul möchte neben der versuchsweisen Beantwortung dieser Fragen zunächst einmal einen Überblick über die wichtigsten Autoren, Werke und Tendenzen der Geschichtswissenschaft in den vergangenen 150 Jahren liefern. Das kann selbstverständlich nur ausschnittweise und exemplarisch geschehen, aber wir haben uns bemüht, Ihnen die wichtigsten Entwicklungen und Innovationen in der Geschichtsschreibung an verschiedenen Beispielen präsentieren zu können.

Dozenten: Dr. Brigitta Bernet, Prof. Dr. Tobias Straumann, Prof. Dr. Martin Dusinberre, Prof. Dr. Bernd Roeck,
 Prof. Dr. Jan-Friedrich Missfelder, Prof. Dr. Claudia Opitz

Antike Kulturen im Kontext: Europa, Vorderer Orient und Asien

Das Modul soll einerseits einen Überblick über die alten Kulturen in Europa, Orient und Asien bieten, um die Entstehung von Reichen und ihrer Hinterlassenschaft einordnen zu können. Andererseits werden ausgewählte und prägend gewordene Reichsbildungen im Detail betrachtet, um ihre gesellschaftliche und staatliche Ordnung, aber auch deren wirtschaftliche Grundlagen zu verstehen. Dazu gehören das alte Ägypten, China, Indien, der Vordere Orient (dabei etwa Alt-Babylon unter Hammurapi, Assyrien und das Perserreich der Achaimeniden), Griechenland und das römische Reich.

Dozenten: Prof. Dr. Anne Kolb, Prof. Dr. Christian Marek, Dr. Sabine Kubisch, Prof. Dr. Wolfgang Behr, Prof. Dr. Ingo Strauch

Massenbewegungen und Revolutionen der Neuzeit

Nachrichten von Massenbewegungen und Revolutionen gehören heute zur alltäglichen
Berichterstattung. Ihre Analyse kann sich des Erfahrungsreservoirs historischer Revolutionenbedienen; vergleichende Revolutionsforschung erlaubt zwar keine Prognostik, wann und wo genau Umbrüche stattfinden werden, doch ermöglicht sie die Benennung destabilisierender Faktoren, das Umschreiben von Bedingungen, die für die Genese von Massenbewegungen und Revolutionen wichtig werden können – von ökonomischen und sozialen Rahmenbedingungen bis zur Rolle von Kommunikatoren und charismatischen Leitfiguren. Zugleich sollten kontingente Faktoren und für bestimmte historische Konstellationen spezifische Bedingungen benannt werden.

Das Modul wird darauf ausgerichtet sein, solche überzeitlich gültigen Kriterien zu erarbeiten, ohne, dass dabei die Grenzen des Vergleichs und damit auch die Grenzen von Prognosen verschwiegen werden. Im Modul soll zunächst der neueste Forschungsstand zu bedeutenden Revolutionen der neueren Geschichte vorgestellt werden. Auf eine begriffliche Klärung folgen Seminarblöcke zum Bauernkrieg als Revolution, zum Jahrhundert der Revolutionen in England (17.Jh.), zur Französischen Revolution, zur Oktoberrevolution in Russland, zu den Revolutionen von 1989 in Mittel- und Osteuropa, zur Iranischen Revolution und dem „Arabischen Frühling“. Die iranische Revolution und Evaluation ihrer aktuellen Bedeutung wird durch einen Dozierenden vorgestellt, der sich im Rahmen der Versicherungsindustrie mit sozialer und politischer Risikoforschung befasst. Wegen der Disponibilität der Dozierenden folgt das Programm nicht einer strikten Chronologie. Wir können dies aber zum Anlass nehmen, am Gegenstand der Revolutionen darüber nachzudenken, dass für die Geschichtsschreibung die Vergangenheit als immer neu zu rekonstruierende auch in der Zukunft liegt.

Dozenten: Dr. Rolf Tanner, Prof. Dr. Andreas Würgler, Prof. Dr. André Krischer, Prof. Dr. Bernd Roeck, Prof. Dr. Martin Schulze Wessel

Geschichte und Ökonomie: Der Aufstieg Europas, die industrielle Revolution und die „grosse Divergenz“

Die heutige Weltwirtschaft ist nach wie vor durch grosse Wohlstandsunterschiede gekennzeichnet. In den afrikanischen Ländern südlich der Sahara schwankt das Einkommen pro Kopf zwischen 500 und 4000 Dollar, in reichen Ländern wie Deutschland und der Schweiz beträgt es im Durchschnitt rund 50’000 Dollar. Diese frappanten Unterschiede lassen sich nur erklären, wenn man die langfristigen Entwicklungen versteht. Das Modul behandelt deshalb die Frage, warum die industrielle Revolution in Europa ihren Ausgang nahm und wie die „grosse Divergenz“ entstand.

Dozenten: Prof. Dr. Peer Vries, Prof. Dr. Janet Hunter, Prof. Dr. Kent Deng, Prof. Dr. Ewout Frankema, Prof. Dr. Branko Milanovic

School: Von der Sklavenökonomie zum «Sunshine Capitalism». Die Geschichte der Südstaaten der USA

„Das Land der Gentlemen und Baumwolle, das man den Alten Süden nannte – hier, in dieser schönen Welt, verbeugte sich die Galanterie zum letzten Mal. (…) Heute ist dieser fast vergessene Traum nur noch in Büchern zu finden. Eine ganze Zivilisation, vom Winde verweht.“ Mit diesen Worten, auf einen blutroten Himmel projiziert, beginnt „Vom Winde verweht“, das legendäre Südstaatenepos, einer der erfolgreichsten Kinofilme der USA. Prachtvolle Landhäuser, atemberaubende Natur, köstliche Speisen und idyllische Städte ziehen bis heute Besucher in den Süden. Die Südstaatenromantik übersieht aber, dass dieser Landesteil von der millionenfachen Ausbeutung unfreier Menschen geprägt wurde.

Der Süden der USA ist bis heute klar vom Rest des Landes zu unterscheiden. Sein warmes Klima erlaubte den Anbau von Tabak, Reis und Baumwolle. Auf der Basis von Sklavenarbeit entstand eine global ausgerichtete Plantagenwirtschaft, die mit scharfen sozialen Gegensätzen einherging. Der Reichtum der Pflanzeraristokratie stand im Gegensatz zum Elend schwarzer Arbeitssklaven. Auch nach dem Ende der Sklaverei blieb der Süden lange von ihr gezeichnet. Er stand für wirtschaftliche und soziale Rückständigkeit. Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich der Süden ein modernes Antlitz zugelegt und zieht Investitionen aus aller Welt an. Die Benachteiligung der afroamerikanischen Bevölkerung wurde durch die Erfolge der Bürgerrechtsbewegung zurückgedrängt, ist aber bei weitem noch nicht überwunden.

Dieser Kurs zeichnet die zentralen Stationen der Geschichte des Südens von der Ausgangsbasis der Sklavenhalterökonomie des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart nach. Zentrale Stationen sind der Bürgerkrieg, die Rekonstruktion und Rassentrennung nach 1865, der New Deal der 1930er Jahre, die Bürgerrechtsbewegung und die wirtschaftliche Modernisierung nach 1945. Der Kurs findet in der malerischen Hafenstadt Savannah und der pulsierenden Metropole Atlanta statt.

Dozenten: Prof. Dr. Britta Waldschmidt-Nelson, Prof. Dr. Hartmut Berghoff, Prof. Dr. Douglas Bristol, Prof. Dr. John David Smith

Zwischen «Regietheater» und «historischer Aufführungspraxis»: Die Interpretation von klassischen Werken der Musik, der Oper und des Theaters

Die Frage der Interpretation von klassischen Werken ist ein kontroverses Thema des heutigen Kulturlebens. Es gilt immer wieder neu abzuwägen zwischen den Bedürfnissen des modernen Geschmacks und den ererbten historischen Kontexten, in denen die klassischen Werke entstanden sind. Das Modul bringt Dramaturgen, Interpretinnen, Kulturwissenschaftler und Historikerinnen zusammen, um die sich wandelnden Vorstellungen über die „richtige“ Aufführungspraxis über die letzten zwei Jahrhunderte besser zu verstehen.

Dozenten: Prof. Dr. Hans-Joachim Hinrichsen

Weltperspektiven: Indien

Das Modul «Indien» bereichert das Programm «Weltperspektiven» um eine ebenso kulturell faszinierende, wie politisch und ökonomisch bedeutsame Grossregion. Die acht Vorlesungen widmen sich den zentralen historischen Entwicklungen auf dem indischen Subkontinent seit Beginn der frühen Neuzeit; der Schwerpunkt liegt jedoch auf dem 19. und 20. Jahrhundert. Das Modul beinhaltet zwei unterschiedliche Vorlesungstypen. Die Sitzungen 1-3 bieten jeweils einen holzschnittartigen Überblick über die wichtigsten politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Transformationen in der vorkolonialen, kolonialen und postkolonialen Epoche. Nach diesem chronologischen Schelldurchlauf fokussieren die Vorlesungen 4-8 auf einzelne Themen, die in der Vergangenheit besonders intensive historiographische Debatten ausgelöst haben. Eine eingehende historische Analyse von bis heute virulenten sozialen Problemen, wie der ‘Frauenfrage’ oder den Auswirkungen des Kastensystems gehören ebenso zu dieser Kategorie wie eine Untersuchung des konfliktgeladenen Zusammenspiels von Religion und Politik auf dem Subkontinent. Auch ökonomische Aspekte werden beleuchtet. Die Industrialisierung Indiens und die Wirtschaftsliberalisierung der letzten drei Jahrzehnte werden dabei in einer eigenen Vorlesung im Zusammenhang mit ihren sozialen Folgen betrachtet. Die Reihe endet mit einer Vorlesung zur Geschichte des indischen Kinos, dem man nachsagt, es funktioniere gleichsam als Seismograph, an dem sich die Verwerfungen gesellschaftlichen Wandels besonders deutlich ablesen liessen.  

Präsentiert von führenden Südasienwissenschaftlern aus der Schweiz, Deutschland, Grossbritannien und den Niederlanden, ermöglichendie Vorlesungen des Moduls den TeilnehmerInnen in der Zusammenschau die komplexe historische Genese aktueller Problemlagen in einer der wichtigsten Weltregionen zu verstehen und einzuordnen. Gleichzeitig soll die Veranstaltung helfen, exotisierende Indienklischees zu überwinden. Die ausgesuchten Themen laden dazu ein, direkte Verbindungen zwischen Südasien und Europa zu erkennen und Vergleiche mit hiesigen Entwicklungen anzustellen.

Dozenten: Prof. Dr. Harald Fischer-Tiné, Prof. Dr. Blain Auer, Prof. Dr. Kama MacLean, Prof. Dr. Clemens Six, Dr. Shabnum Tejani, Prof. Dr. Ravi Ahuja

Geschichte und Ökonomie: Von Aristoteles bis Bernanke: Geschichte des ökonomischen Denkens

Die Wirtschaftsgeschichte wird nicht nur von materiellen Interessen und Kräften getrieben, sondern auch von Ideen und Weltbildern. Der britische Ökonom John Maynard Keynes schrieb gar in seinem Hauptwerk: «Die Gedanken der Ökonomen und Staatsphilosophen sind einflussreicher, als gemeinhin angenommen wird, sowohl wenn sie im Recht, als auch wenn sie im Unrecht sind. In Wirklichkeit wird die Welt durch wenig anderes beherrscht als durch sie.» Für ein Verständnis der Gegenwart ist deshalb die Kenntnis der wichtigsten ökonomischen Lehrmeinungen unerlässlich.

Dozenten: PD Dr. Andrea Franc, Prof. Dr. Harald Hagemann, Prof. Dr. Karen Horn, Prof. Dr. Heinz Kurz,
 Prof. Dr. Klaus W. Wellershoff, Prof. Dr. Ulrich Woitek

Grosse Geschichtsschreibung: Antike und Mittelalter

Die grossen Historiker des Altertums und des Mittelalters sind nicht allein deshalb noch immer von Interesse, weil sie in ferne Zeiten und untergegangene Kulturen «entführen» und weil
sie das Fundament unseres Wissens um die Vergangenheit gelegt haben. Die Rekonstruktionen von Handlungszusammenhängen, die ein Herodot, Thukydides oder Tacitus bieten, ihre Sicht des Politischen, nicht zuletzt die Kunst ihrer Darstellung macht die Auseinandersetzung mit ihren Werken zur unverzichtbaren Voraussetzung historischer Bildung.

Dozenten: Prof. Dr. Anne Kolb, Prof. Dr. Enno Rudolph, Prof. Dr. Sebastian Schmidt-Hofner, Prof. Dr. Sebastian Scholz, Prof. Dr. Achatz von Müller

Die Entstehung des Neuen. Über Paradigmenwechsel und kleinere Innovationen

Für Paradigmenwechsel – erstrangige wissenschaftliche und technologische Um- und Durchbrüche – bedarf es einzelner «Grosser» wie Galilei oder Einstein ebenso wie bestimmter Umstände. Genies lassen sich nicht beliebig aktiveren, sehr wohl aber Bedingungen schaffen, unter denen die Kleineren, die ihnen vorarbeiten, schaffen und denken können.

Wie solche «Möglichkeitsräume» beschaffen sein könnten, darüber kann der historische Vergleich Aufschlüsse vermitteln. Ebendies möchte das Modul leisten: An einigen spektakulären Beispielen (Kopernikanische Wende, Buchdruck, Wissenschaftliche Revolution, Industrialisierung, Entstehung des Internet) wollen wir darüber Aufschluss zu gewinnen versuchen. Blicke auf Bildende Kunst und Musik – hier wird Stilwandel thematisiert werden – sollen «mikroskopische» Einblicke in kreative Prozesse ermöglichen und Vergleiche mit Kreativität in Wissenschaft und Technik ermöglichen. Parallelen zu erfolgreichem Unternehmertum, seine Kunst der «schöpferischen Zerstörung», sind naheliegend und werden ebenfalls unternommen. Zudem werden wir einen Seitenblick auf die «Psychologie des Genies» werfen und fragen, in welcher Weise «Bedingungen» für das, was sie an Neuem erfanden, bedeutsam wurden. Ein einleitendes Referat dient der Klärung zentraler Begriffe und Konzepte. Am Ende könnten Antworten auf eine Frage von unbestreitbarer Relevanz stehen: Wie organisiert man Kreativität?

Dozenten: Prof. Dr. Tobias Straumann, Prof. Dr. Alexander Bird, Prof. Dr. Floris H. Cohen, Prof. Dr. Joachim Funke, Prof. Dr. Hans Joachim Hinrichsen, Dr. Urs Leu, Prof. Dr. Giorgio Riello

Weltperspektiven: USA

Das Modul betrachtet über zweieinhalb Jahrhunderte Entwicklungen, Ereignisse, und Besonderheiten in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika. Von der Revolution und der frühen Republik tastet es sich voran bis in die Zeitgeschichte und wirft Schlaglichter auf stets in veränderlichem Gewand wiederkehrende Themen wie Inklusion und Exklusion, Expansion und Kolonialismus, Religion, Politik, Rolle der Medien und Kultur.

Dozenten: Dr. Torsten Kathke, Prof. Dr. Michael Hochgeschwender, PD Dr. Charlotte Lerg, Prof. Dr. Manfred Berg, Prof. Dr. Britta Waldschmidt-Nelson, Prof. Dr. Axel Schäfer, Dr. Sabrina Mittermeier

Geschichte und Ökonomie: Szenarien für das 21. Jahrhundert: Europa, China, USA

Von allen bedeutsamen historischen Makro-Veränderungen unserer Epoche ist sicher der Wiederaufstieg Asiens der bedeutendste, und damit der (relative) Abstieg des Westens.
Wie wird das 21. Jahrhundert insgesamt aussehen? Werden wir die Herausbildung eines neuen Hegemonialsystems erleben, wie das britische im 18. und 19. Jahrhundert und das US-amerikanische nach 1945, oder wird über längere Zeit multipolare Instabilität vorherrschen?

Dozenten: Prof. Dr. Patrick Ziltener, Prof. Dr. Ulrich Menzel, Prof. Dr. Herfried Münkler

School: Das buddhistische Südostasien

Die buddhistischen Gesellschaften von Kambodscha, Thailand und Myanmar bilden einen besonderen Kulturraum, der ganz eigene Formen von Religion, Kunst und Architektur hervorgebracht hat. Die legendären Tempelanlagen von Angkor und Pagan zählen heute
zu den bemerkenswertesten Zivilisationsleistungen der Weltgeschichte, während das moderne Thailand mit seiner Hauptstadt Bangkok zu einem globalen Drehkreuz für Handel, Tourismus und Migration geworden ist.

Dozenten: Prof. Dr. Sven Trakulhun, Prof. Dr. Michael Aung Thwin, Dr. Dhiravat Na Pombejra, Prof. Dr. Thongchai Winichakul, Dr. Wasana Wongsurawat

Aufstieg und Fall der Reiche – Universalhistorische Konzepte

Der Vergleich der Geschichte von Welt- und Grossreichen sollte Kriterien für den Aufstieg und Niedergang grosser staatlicher Organisationen und Imperien zutage fördern, die allgemeinere Geltung beanspruchen dürften. Die Dozierenden werden nur am Rande auf die klassischen universalhistorischen Modellbildungen von Gibbon bis Toynbee und von Spengler bis Huntington eingehen. Vielmehr soll der aktuelle Forschungsstand zur Frage, welche Faktoren zum machtpolitischen «Erfolg» bzw. zum Niedergang geführt haben könnten, resümiert werden.

Dozenten: Prof. Dr. Harald Fischer-Tiné, Prof. Dr. Michael Hochgeschwender, Prof. Dr. Herfried Münkler, Prof. Dr. Daniel Leese, Prof. Dr. Frithjof Benjamin Schenk, Prof. Dr. Maurus Reinkowski

Demokratie: Historische Veränderungen und Konflikterfahrungen von der Antike bis in die Neuzeit

Im Mittelpunkt des Moduls stehen die historische Entwicklung des Prinzips der gleichen Teilhabe an Staat und Gesellschaft, sowie exemplarische Erfahrungen und Konflikte, die sich mit der Demokratie als Theorie und Praxis zwischen Antike, Neuzeit und Zeitgeschichte verbanden.

Dozenten: Prof. Dr. Jörn Leonhard

Einführungs- und Theoriemodul (für beide Studiengänge)

Das Modul bietet eine grundlegende Einführung in das Handwerk der Geschichtswissenschaft.
Die Teilnehmenden sollen in konzentrierter Form mit Techniken der fachwissenschaftlichen Literaturrecherche, Quellenerschliessung und -interpretation vertraut gemacht werden.

Dozenten: Prof. Dr. Melanie Arndt, lic. phil. Walter Bersorger, Dr. Jacob Bjorheim, Dr. Julian Führer, Dr. Karin Huser, Prof. Dr. Anne Kolb, Dr. Bettina Schöller, Prof. Dr. Tobias Straumann

Koordinatoren: Tobias Straumann, Walter Bersorger

Das europäische Staatensystem und sein Werden

Die antiken Grundlagen – Die griechische Polis und das Imperium Romanum. Mittelalter – Intensivierung und Verräumlichung von Herrschaft. Das frühneuzeitliche Europa. Staatstheorie – Machiavelli, Bodin, Hobbes. Europa im 19. / 20. Jahrhundert.

Dozenten: 
Prof. Dr. Anne Kolb, Prof. Dr. Thomas Lau, Prof. Dr. Jörn Leonhard, Prof. Dr. Sebastian Scholz

Geschichte und Ökonomie: Arbeit, Wissen, Technologie

Seit einigen Jahren wird leidenschaftlich über die Auswirkungen der Digitalisierung debattiert, so dass sich viele fragen: Wie sieht die Zukunft der Arbeit aus? Das Modul beschäftigt sich mit der Geschichte der Arbeit, der Bedeutung von Bildung und Wissen und der Auswirkungen des technologischen Wandels auf die Beschäftigung.

Dozenten: Prof. Dr. Andrea Komlosy, Prof. Dr. Tove Soiland, Prof. Dr. Lutz Raphael, Prof. Dr. Jürgen Kocka, Prof. Dr. Kristina Schulz, Prof. Dr. Christian Koller, Antoine Russbach, Prof. Dr. Franca Burckhardt, Prof. Dr. Sonja Matter, Brigitta Bernet, Prof. Dr. Michael Siegenthaler, Prof. Dr. Daniel Kopp, Prof. Dr. Ladina Caduff, Prof. Dr. Marc Holitscher

Konfliktlagen, Identitätsdiskurse und Transformationen von Religion

Das Modul verknüpft kulturwissenschaftliche und globalhistorische Zugänge mit dem Ziel, durch den Verweis auf geschichtliche Zusammenhänge ein kritisches Verständnis aktueller Veränderungen im Bereich der Religion(en) zu ermöglichen.

Dozenten: 
Dr. Stefan Binder, Dr. Alexandra Grieser, Dr. Emanuel Schäublin, Prof. Dr. Michael Hochgeschwender, Prof. Dr. Reinhard Schulze, Prof. Dr. Jens Schlieter, Prof. Dr. Jörg Stolz, Prof. Dr. Philip Clart,  Dr. Annemarie Mertens

Geschichte und Ökonomie: Probleme der Schweizer Wirtschaftspolitik

Negativzinsen, Reformstau bei der Altervorsorge und Streit um das Rahmenabkommen: Die schweizerische Wirtschaftspolitik gibt immer wieder zu heftigen Debatten Anlass. Das Modul greift die drängendsten Fragen der Gegenwart auf und behandelt die verschiedenen Positionen aus einer historischen Perspektive.

Dozenten: Dr. Thomas Studer, Prof. Dr. Christoph Schaltegger, Prof. Dr. Bruno S. Frey, Dr. Daniel Lampart, Prof. Dr. Rudolf Minsch, Prof. Dr. Monika Engler

School: Israel – Land der Widersprüche

Israel ist für Aussenstehende schwierig zu entschlüsseln, denn unabhängige und besonnene Stimmen haben es schwer, sich Gehör zu verschaffen. Im Zentrum der School steht deshalb eine möglichst authentische Begegnung mit einem Land, das von zahlreichen Widersprüchen gekennzeichnet ist und auf eine äusserst komplizierte Vergangenheit zurückblickt. Dank der Zusammenarbeit mit Jair Golan, bis 2017 stellvertretender Generalstabschef der israelischen Armee und seit September 2019 Knesset-Abgeordneter für die linksliberale Partei «Demokratisches Israel», haben wir einen einzigartigen Zugang zu israelischen Schlüsselpersonen aus Wirtschaft, Politik und Kultur, die uns einen direkten Einblick in die Probleme und Chancen des Landes ermöglichen.

Koordinator: Prof. Dr. Tobias Straumann, Jair Golan

Weltperspektiven: Ostasien

Die Geburt der Philosophie im antiken Griechenland, der Untergang des Römischen Reiches, die Renaissance, die Reformation, die Aufklärung, der Holocaust wurden lange als Bausteine einer «reinen» europäischen Vergangenheit betrachtet. Aber wie «europäisch» ist diese Vergangenheit? Das Modul untersucht das Wesen ost-asiatischer Geschichtsschreibung – vor allem jene Chinas und Japans.

Dozenten: Prof. Dr. Martin Dusinberre, Dr. Birgit Tremml-Werner, Dr. Oleg Benesch, Prof. Dr. Joachim Kurtz

Weltperspektiven: Naher Osten

Der Nahe Osten ist eine, ja vermutlich sogar die geopolitische Umbruchzone der Weltpolitik. Das Modul „Geschichte und Politik des Nahen Ostens“ greift die Frage nach den aktuellen Entwicklungen von der Arabellion bis zum syrischen Bürgerkrieg auf, aber ergründet auch die Frage, wie das moderne Staatensystem des Nahen Ostens sich als „Wirkungsgefüge“ im 20. Jahrhundert herausgebildet hat. Das Ziel ist die politischen Verflechtungsstrukturen und historischen Entwicklungspfade der verschiedenen Konflikte des Nahen Ostens analytisch zusammen zu führen.

Dozenten: Prof. Dr. Maurus Reinkowski, Dr. Alp Yenen, Prof. Dr. Thomas Demmelhuber, Prof. Dr. Tim Epkenhans, Prof. Dr. Cilja Harders, Prof. Dr. James Gelvin, Dr. Kurt Pelda

School Wien: Klassische Musik und Ökonomie

Vielfach wird klassische Musik als rein kulturelles Phänomen betrachtet und ökonomische Aspekte werden ganz oder teilweise ausgeblendet. Die ökonomische Analyse kann jedoch sehr viel zum Verständnis von Kompositionstätigkeit und Aufführungspraxis beitragen. Warum wurden Komponisten, die vor dem 18. Jahrhundert primär einfache Angestellte von geistlichen und weltlichen Herren waren, selbstständige und vor allem im 19. Jahrhundert sehr erfolgreiche Unternehmer? Wie wird die Aufführungspraxis durch wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen beeinflusst? Welches sind eigentlich die erfolgreichsten Komponisten und wie hat sich die Aufführungspraxis über die Zeit geändert? Die ökonomische Theorie kann einiges zum Verständnis dieser Frage beitragen.

Dozenten: Prof. Dr. Peter Kugler, Prof. Dr. Anselm Gerhard, Peter Risi, Prof. Dr. Peter Tschmuck und ev. Dominique Meier

Programm_Wien

Die Schweiz in Europa: Alte Erzählungen und neue Forschungen

Wer sich mit der Geschichte der Schweiz befasst, darf sich nicht damit begnügen, die wissen- schaftlichen Erkenntnisse den historischen Mythen gegenüberzustellen, sondern muss beides kennen: die alten Erzählungen und die neuen Forschungen. Denn die alten Geschichten sind nach wie vor wirkungsmächtig, und die neuen Forschungen sind nur auf dem Hintergrund der alten Erzählungen verständlich. Überblicksvorlesungen zu den grossen Themen der Schweizer Geschichte und den grossen Schweizer Erzählungen werden kombiniert mit Exkursionen, die einen direkten Einblick in neue Forschungsprojekte gewähren.

Dozenten: Prof. Dr. Tobias Straumann, Dr. Beat Gnädinger, Prof. Dr. Caspar Hirschi, Prof. Dr. Beat Näf, Prof. Dr. Kristina Schulz, Prof. Dr. Simon Teuscher

Curriculum 2021 - 2023